Über den Plattenteller: Neue Koch- und Weinbücher 2024

Über den Plattenteller: Neue Koch- und Weinbücher 2024

Kurz vor dem Jahresende hätten wir da noch etwas für kochende Menschen: eine ganz besondere Auswahl an Kochbüchern, die Ihre Aufmerksamkeit verdienen. Egal, ob Sie sich lieber in Einzelheiten vertiefen oder gleich auf kulinarische Weltreise gehen wollen. Die Grenzen sind fließend und wir finden, dass für jeden etwas dabei ist. In diesem Sinne viel Spaß bei der Lektüre und beim erfolgreichen Kochen.

Einblick in die afghanische Esskultur

Über Afghanistan wird viel gesprochen und geschrieben. Selten geht es dabei um Esskultur. Vor allem um die Machtübernahme der Taliban und Frauen, die ihrer Rechte beraubt wurden. Die Afghanin Sarghuna Sultanie schreibt in dem Buch „Afghanische Küche“ eindrucksvoll über die kulinarischen Besonderheiten ihrer Heimat. Reich an Aromen, vielfältig und faszinierend – das alles ist die afghanische Küche. Von Suppen, Gemüse- und Reisgerichten über Gebäck bis Eintopf und Eingemachtes: In diesem sehr persönlichen Kochbuch verwebt die Autorin, Mutter und Großmutter 80 traditionelle Rezepte mit Anekdoten aus ihrer Familiengeschichte.

Sarghuna Sultanie teilt das kulinarische Wissen, das Generationen afghanischer Frauen verbindet und berichtet von ihrer Heimat Kabul aus einer Zeit, bevor der Krieg das Land prägte. Im Grunde ist diese Küche schon immer eine weltoffene gewesen, mit Einflüssen nicht nur aus Vorderasien und Zentralasien. Schmorgerichte, sogenannte Qorma, und Reisgerichte sind die Grundpfeiler afghanischen Kochens. Ebenso Torschi, säuerlich eingelegtes Gemüse, das zu vielen Speisen gereicht wird. Die Aromen, Kardamom, Kurkuma, Zimt und Rosenwasser, frische Kräuter wie Koriander oder Minze, sind quasi gesetzt. Deshalb sollte das heimische Gewürzregal fürs Nachkochen schon gut bestückt sein. Insgesamt ein Kochbuch mit vielen authentischen Gerichten und ein definitiv zu empfehlendes Buch. Übrigens: Ein Teil des Bucherlöses wird dem Afghanischen Frauenverein e. V. gespendet.

Sarghuna Sultanie: Afghanische Küche, DK-Verlag, 223 Seiten,  32,95 Euro

 

Zu Gast im wunderschönen Engadin

Wer ins Engadin reist, den zieht diese Region in ihren Bann. Reizvoll, überraschend, vielseitig und einfach nur wunderschön ist diese Landschaft inmitten der grandiosen Bündner Bergwelt. Mit ihren majestätischen Bergen, tiefblauen Seen und tief verwurzelten Traditionen ist die Gegend ein Juwel. Das neue Buch „Zu Gast im Engadin“ von Claudia Knapp und Mayk Wendt ist ein besonderer Reiseführer. Das Cover ist nicht nur optisch schön – es ziert eine typische Engadiner Hausfassade –, es fühlt sich dank seiner strukturierten Oberfläche auch gut an.

Reich bebildert zeigt der Band die besten Restaurants und Hotels und blickt in ihre Küchen. Die Rezepte sind mal typisch für das Engadin, mal international inspiriert. Ein Kochbuch im klassischen Sinne ist dieses Werk nicht. Macht auch nichts, denn das Buch will zuvorderst mit seiner reichen Bebilderung mit Eindrücken der imposanten Landschaft, den Hotels und Restaurants, ihren Gastgebern, Brauchtümern und Gerichten punkten. Und das gelingt vortrefflich. Die einzelnen Kapitel folgen den unterschiedlichen Landschaften: Unterengadin, Münstertal, Oberengadin, St. Moritz, Sils.

Nicht von ungefähr war das Engadin jahrzehntelang ein Anziehungspunkt und eine Inspirationsquelle für Künstler, Dichter, Freigeister und Einzelgänger. Allen voran wären Friedrich Nietzsche, Rainer Maria Rilke, Thomas Mann und Hermann Hesse zu nennen, die immer wiederkehrten. Für Schweiz-Fans die das Engadin lieben ist der Band ein Muss.

Claudia Knapp / Mayk Wendt: „Zu Gast im Engadin“ , Callwey Verlag,  208 Seiten,  45 Euro.

 

Kulinarische Gedanken auf den Punkt gebracht

Claudio del Principe verstand es schon immer auf das Beste, in seinen Kochbüchern nicht nur Rezepte aufzuschreiben, sondern auch seine Gedanken dazu zu notieren. Das machte seine Werke immer zu mehr als bloßen Rezeptsammlungen. So sind seine bisherigen Bücher „A casa“, „al forno“, „a mano“, „all’orto“, oder „pura pasione“ alle von Erfolg gekrönt und vielgelesen. Mit „a punto“ serviert er nun reichlich geistreiche Nahrung für alle, die gerne kulinarische Geschichten verschlingen. Seien es Reportagen, Rezepte, philosophische Gedanken zu Gesellschaft und Gastronomie und jede Menge Empfehlungen, wie das eine oder andere Gericht noch besser gelingt. Welche Zutaten wie behandelt werden wollen und wie man gelassener kocht. Seine überraschenden, amüsanten und tiefgründigen Texte sprechen vielen aus der Seele.

Man merkt: Dies ist alles andere als ein klassisches Kochbuch. Vielmehr ein weiterer Beitrag del Principes zur Esskultur und ein wichtiger Ansatz, ein Bewusstsein für Qualität, Handwerk und gutes Essen zu schaffen.

Claudio del Principe: „a punto“ – Kulinarische Gedanken auf den Punkt gebracht, AT-Verlag, 199 Seiten,  37 Euro.

 

Tanja Grandits präsentiert ihre Gemüseküche

In ihrem neuen Kochbuch „Einfach Tanja“ verrät die SterneköchinTanja Grandits ihre liebsten Gemüsegerichte, die sie selbst gerne für ihre Tochter und Freunde kocht. Sie zählt zu den besten Köchinnen der Schweiz. Seit beinahe 15 Jahren ist sie Chefin des Zwei-Sterne-Restaurants „Stucki“ in Basel, wo sie mit ihrer feinen Aromenküche die Schweizer Gourmetszene nachhaltig prägt. Grandits sieht ihr aktuelles Kochbuch als eine Sammlung von Gerichten, „die einfach in einer Schüssel, im Topf, in der Pfanne oder auf einer Platte in die Mitte des Tisches gestellt werden“, und die auf ehrliche Art allen Freude machen, die darum herumsitzen.

Nach „Tanjas Kochbuch“ und „Tanja vegetarisch“ ist das aktuelle Buch ein Gesamtkunstwerk und zwar ohne wenn und aber. Die durchdachten Rezepte, die wundervolle Fotografie und das stimmige Layout verdienen die Note 1. Einer bestimmten Länderküche lassen sich die Rezepte nicht zuordnen. Mediterrane und orientalische Anleihen sind unterdessen vorhanden. Auffällig auch: Tanja Grandits setzt Gewürze sehr gekonnt ein und gibt so bekannten Gemüse und Früchten einen besonderen Touch. Erfreulich auch die Vielfalt an Texturen und Konsistenzen. Übrigens: Alle Rezepte sind vegetarisch, viele vegan. Ein Kochbuch, das Maßstäbe setzt!

Tanja Grandits: „Einfach Tanja“ – Gemüseküche zum Teilen und Geniessen, AT-Verlag, 335   Seiten, 42 Euro

 

Total Obauer! Große Küche aus Österreich

Seit mehr als vierzig Jahren zählen die Brüder Karl und Rudi Obauer zur Kochelite Österreichs. Was sie besonders sympathisch macht, sie sind frei von Allüren. Ihre Rezepte verstehen sie als Vorschläge für ihre Leser und sie raten, dem eigenen Bauchgefühl zu folgen und selbst kreativ zu werden. 198 Gerichte für jede Jahreszeit und jeden Geschmack, darunter Sellerie-Safransuppe, Gans mit Hafer und Biersauce, Schweinshaxelragout oder Lammcurry mit Berberitzenreis gibt es. Es sind außerdem auch 14 Geschichten zu Bauern, Genusshandwerkern und Produzenten dabei, die seit vielen Jahren Teil der Erfolgsgeschichte der Brüder sind.

In der Heimat verwurzelt, verliebt in die Region und offen für die Welt, so könnte man die Herangehensweise wohl am ehesten bezeichnen. Bestes Handwerk und Kreativität verwandeln die Gerichte in exquisite kulinarische Highlights.

Es ist bemerkenswert, wie aus wenigen Zutaten exzellente Gerichte entstehen können. Dabei spielt es keine Rolle, welches Kapitel man gerade anschaut. Also: Keine Angst vor gehobener Küche – mit diesem Buch lernt wirklich jeder dazu und am Ende des Tages gut zu kochen, wenn er oder sie sich in die Materie vertieft.

Rudi und Karl Obauer: „Total Obauer!“, Gräfe und Unzer,  288 Seiten,  32 Euro

365 Rezepte für jeden Tag

Toni Mörwald ist ein Garant für eine abwechslungsreiche und kreative Küche. Seit über drei Jahrzehnten beweist der östereichische Haubenkoch in seinen Restaurants, dass er zu jeder Zeit und zu jedem Anlass das passende Gericht parat hat. In seinem neuen Standardwerk teilt er seinen Wissensschatz und zeigt, wie kulinarisch vielseitig 365 Tage im Jahr sein können. Ob köstliche Speisen für jeden Tag oder Festtagsgerichte für mehrere Personen. 608 Seiten hat dieses Prachtstück. Es ist sozusagen das kulinarische Lebenswerk des Kochs. Die Monate ergeben die einzelnen Kapitel, die Rezepte sind saisonal orientiert und zu vielen bekommt man noch Tipps oder Erläuterungen. So kann man sich durch das komplette Jahr kochen und isst dabei täglich gut zubereitete, abwechslungsreiche Kost. Beeindruckend ist die unglaubliche Vielfalt an Rezepten.

Wer sich an dem hohen Preis von 65 Euro stört, dem sei gesagt: man sollte sehen, was man dafür bekommt. Dann relativiert sich das schnell. Denn der Kunde erhält ein wirklich hochwertiges Buch, mit viel Liebe und Herzblut zusammengestellt, und vor allem prallgefüllt mit hunderten von langjährig erprobten Rezepten, dazu hochwertig gedruckt und eingebunden. Das hat seinen Preis. Eine dicke Empfehlung!

Toni Mörwald: 365 Rezepte für jeden Tag, Brandstätter Verlag, 608 Seiten, 65 Euro.

 

Nordische Backrezepte vom Allerfeinsten

Es gibt Backbücher, bei denen man einfach die Rezepte nachbacken muss. Das Norwegen-Backbuch „Backen im Einklang mit den Jahreszeiten“ von Nevada Berg ist so eines. Eine gelungene Kombination von süßen und herzhaften Angeboten. Ausgefallene Rezepte die einen Einblick in eine fremde oder andere Kultur bei Brot und Kuchen geben. Die Backwaren passen ausgezeichnet in die verschiedenen Jahreszeiten. Hier finden sich 90 süße und herzhafte Rezepte derpreisgekrönten Food-Bloggerin, die auf einem Bauernhof mitten in Norwegen lebt. Das großartige Backbuch enthält  ihre besten Rezepte darunter Köstlichkeiten wie Mandeltarte mit Brennnessel-Creme, Oregano-Brot mit wilden Blaubeeren, Wacholderschnecken, Wikinger-Pizza mit Walderdbeeren, Apfelkuchen mit Gin-Karamell und natürlich Lefse, das traditionelle norwegische Fladenbrot. Die außerordentlich gelungene Foodfotografie und die atemberaubenden Landschaftsaufnahmen runden diesen wundervollen Eindruck ab.

Fazit: eine faszinierende Reise durch die vielfältige Welt des Brotes. Absolut empfehlenswert! God appetitt!

Nevada Berg: Das Norwegen-Backbuch – Backen im Einklang mit den Jahreszeiten, Prestel Verlag,  256 Seiten,  32 Euro.

 

Vom Spitzenkoch – Alles außer Sushi

Spitzenkoch Tohru Nakamura bietet in seinem Japan-Kochbuch alles außer Sushi. In zwei unterschiedlichen Küchenwelten groß geworden, schafft er den Spagat zwischen fernöstlichen und bayerischen Gerichten auf hohem Niveau. Das Buch stellt auf sehr präzise Weise eine traditionsfokussierte Küche in den Mittelpunkt. Und so ist dieses Werk eine perfekte Mischung aus Innovation und Tradition, die japanische Aromen und Produkte in den Mittelpunkt stellen. Seine 60 Gerichte sind unkompliziert und mal klar japanisch inspiriert, mal europäisch oder deutsch.

Beispiele sind das Chawanmushi mit Saiblingskaviar und Haselnuss, Thunfisch mit Bohnen, Ringelbeete und Clementine, Langustensuppe mit Kürbis und Shiitake oder die Ramensuppe mit Huhn und Shoju. Lesenswert sind die Zeilen zu den Produkten: von Ei und Reis über Umeboshi und Miso bis zu Tofu und Algen. Die Kapitel beginnen alle mit einer Warenkunde. Zehn Hauptkapitel sind im Buch zu finden, dazu einige Seiten mit „Basics“ wie Kombu-Dashi oder Furikake. Für jedes Rezept reicht eine einzige Seite, klar und einfach beschrieben. Natürlich ist auch ein Foto zu jedem Rezept vorhanden, damit man es sich auch optisch vorstellen kann.

Tohru Nakamura: „Tohrus Japan“ – Alles außer Sushi, Gräfe und Unzer Verlag, 216 Seiten, 29,90 Euro

 

100 authentische Japan- Rezepte

Die japanische Küche zählt zu den beliebtesten weltweit. In europäischen Breitengraden wird sie, zumindest im privaten Bereich, allerdings eher selten nachgekocht. Maori Murota zeigt in ihrem Buch, dass das nicht so sein muss.

In „Japan Home Kitchen“ lässt uns die Japanerin Maori Murota an ihrer ganz persönlichen japanischen Familienküche teilhaben: einer Mischung aus Lieblingsgerichten ihrer Kindheit, der traditionellen Hausmannskost ihrer Großmutter und einer modernen japanischen Fusion-Küche.

Die 100 Rezepte sind in einer Zutatenlist und einen Textteil gegliedert. Alle Rezepte lassen sich mit wenigen Grundzutaten aus dem Supermarkt oder Asia-Laden leicht nachkochen und schmecken authentisch und köstlich.

In sieben ausführlichen Kapiteln führt Maori durch die zentralen Bereiche der japanischen Kulinarik, stellt Produkte wie Miso, Tofu und Algen vor und erklärt in zahlreichen Anleitungen die wichtigsten Grundlagen – von perfektem Sushi-Reis bis zu selbst gemachtem Udon-Teig.  Fazit: Sehr benutzerfreundlich und alltagstauglich.

Maori Murota: „Japan Home Kitchen“, DK Verlag, 264 Seiten, 26,95 Euro

 

Gewürze sind das i-Tüpfelchen beim Kochen

Unvergessliche Gerichte bestehen aus frischen Zutaten, aromatisch kombiniert, liebevoll zubereitet – und aus der Finesse der verwendeten Kräuter und Gewürze. Denn erst mit Gewürzen entstehen wahre Geschmackserlebnisse, sprich sie holen das Beste aus den Zutaten heraus und zaubern genussreiche Momente. Mit diesem Gewürz-Kochbuch gibt Autor und Koch Heiko Antoniewicz Einblick in die Gewürzkunde und liefert gaumenkitzelnde Rezepte mit Kümmel und Anis bis hin zu Koriandersamen, Zimt und Co. Es klingt wie eine Binsenwahrheit und ist so plausibel: Gewürze muss man kennen, damit man sie beim Kochen richtig einsetzen kann. Egal ob mit Gemüse, Frucht, Fisch oder Fleisch, die Rezepte machen deutlich, wie Gewürze jedem Gericht das gewisse Etwas verleihen. Antoniewicz liefert über 75 außergewöhnliche Rezepte mit außergewöhnlichen Kombinationen und neuen Geschmackserlebnissen und gibt eine ausführliche Übersicht, welche Gewürze in keiner Küche fehlen sollten, Kurzinfos über Herkunft, Einkauf, Qualität und richtige Lagerung inklusive. Eine wahre Fundgrube für alle, die Gewürze lieben.

Heiko Antoniewicz: Gewürze – Das Kochbuch, DK Verlag, 240 Seiten, Euro 34,95 Euro

 

Sous-vide – eine phänomenale Garmethode

In der Spitzengastronomie gehört das Sous-vide-Garen zum Standardrepertoire. Dabei werden die Zutaten in Vakuum verpackt und bei geringer Temperatur schonend im Wasserbad gegart. Das schmeckt und ist gesund, denn im Vakuumbeutel werden Aromen, Vitamine und Mineralstoffe nicht ausgekocht. Steaks und Braten werden unglaublich zart, Fisch bleibt saftig und gelingt bestens.

Voraussetzung ist nur eines: Hintergrundwissen! Denn mit Wasser lässt sich phänomenal kochen – in allen Temperaturstufen. Zu jeder Temperatur gibt’s die passende Garmethode, in diesem Buch physikalisch genau erklärt: Warum wird Rinderfilet mit Sous Vide unvergleichlich zart? Bei welcher Temperatur wird die Sabayon besonders luftig? Und warum bleibt Brokkoli nur in ungesalzenem Wasser knackig grün? Dieses neue Buch von Heiko Antoniewicz führt mit detaillierten Step by Step-Anleitungen durch die einzelnen Arbeitsschritte und gibt mit starken Bildern einen faszinierenden Einblick in jeden Kochvorgang. Mit diesen Grundlagen geht es dann zur Kür: Grandiose Spitzenkochrezepte von einfach bis anspruchsvoll, bei denen garantiert jedem das Wasser im Mund zusammenläuft.

Fazit: Empfehlenswert für alle, die es genau wissen wollen! Ein umfangreiches und aktuelles Grundlagenwerk. Die brillanten Fotos machen Lust, sich intensiv mit dem Sous-vide-Garen auseinanderzusetzen.

Heiko Antoniewicz: Sous-Vide, Matthaes Verlag,  240 Seiten,  69,90 Euro

Herr Raue bereist die Welt

Der Sternekoch Tim Raue gehört zu den bekanntesten und erfolgreichsten Kulinarik-Unternehmern in Deutschland. Neben seinem gleichnamigen Restaurant in Berlin hat er TV-Auftritte bei „The Taste“ bis „Kitchen Impossible“ und schreibt Kochbücher. Für seine Fernseh-Serie „Herr Raue reist“ (Magenta TV) ist er in 18 Ländern auf der ganzen Welt unterwegs gewesen. Dort hat der Zwei-Sterne Koch nicht nur Land und Leute, sondern vor allem die Gastronomie und Esskultur kennengelernt. Aus diesen Reisen ist jetzt auch ein Buch entstanden. Kurzweilig, bunt und lecker sind die Rezepte darin. Überdies ist es ein abwechslungsreicher Reisebericht geworden, in dem er Wissenswertes zu den einzelnen Regionen, spannende Adressen der besten Restaurants, Shops und Manufakturen unterbringt.

Die Rezepte – von supersimpel bis superaufwändig  – sind so unterschiedlich wie Raues Destinationen. Und nicht nur aus kulturellen oder geografischen Gründen, sondern auch weil ihre Original-Köchinnen und -köche ganz unterschiedlich sind. Mal kochen sie im Sternerestaurant, mal im Straßenimbiss oder einer anderen bodenständigen Lokalität.

Alles in allem: Ein Kochbuch für Fans von Tim Raue, seiner Serie und alle, die Interesse an internationaler Esskultur haben. Erfrischend unkonventionell!

Tim Raue: Herr Raue reist – So schmeckt die Welt, Callwey Verlag, 304 Seiten, 39,90 Euro

Eine Hymne auf die Pasta

Rachel Roddy lebt seit bald zwei Jahrzehnten in Italien und schreibt von dort aus ihre Kolumne „A kitchen in Rome“ für den britischen Guardian. Darin zelebriert sie die wundervolle, bodenständige italienische Pasta-Küche. In ihrem superben Nudel-Kochbuch Pasta von „Alfabeto bis Ziti“ zeigt sie die wichtigsten Pasta-Sorten, erklärt ihre Herstellung und Herkunft, wie man selbst frische Pasta macht, sowie die passenden Saucen dazu. Angeblich existieren über 350 Pastasorten, je nachdem, wen man fragt, mit 1 300 regionalen Namen, und jedes Jahr kommen neue hinzu.

120 Rezepte sind in diesem Buch versammelt, und sie sind sowas wie „eine Hymne auf die Pasta“. Sie sind vielseitig, mal frisch, mal deftig, mal cremig, meist einfach in der Zubereitung. Zu den bekannten Nudelsorten gibt es spannende, kreative Neuschöpfungen wie die Stracci mit Erbsen und Artischocken, Mafalde mit Tomatensauce und Ricotta, Spinat-Gnocchi mit Sahne, Linguine mit Zucchini und Pasta mit Kichererbsen. Die Fotografie ist herrlich natürlich und schnörkellos, die Gerichte sprechen für sich. Ein unkompliziertes Kochbuch, das Lust macht, sofort loszulegen.

Rachel Roddy: Pasta von Alfabeto bis Ziti, Kunstmann Verlag, 352 Seiten, 38 Euro

 

Die mexikanische Küche der Frida Kahlo

Frida Kahlo hat mit ihrem Wirken und ihrem Streben nach gesellschaftlicher Veränderung Generationen von Frauen weltweit beeinflusst und bewegt. Sie ist eine der am häufigsten veröffentlichten Künstlerinnen überhaupt. Neben der Malerei liebte sie die traditionelle mexikanische Küche. Mole, Tamales und Enchiladas zählten zu Ihren Lieblingsgerichten. Ihr berühmtes Mole-Poblano-Rezept, eine Schokoladen-Chili-Sauce, hängt heute im Frida-Kahlo-Museum in Mexico City.

Im Jahr 2010 wurde die mexikanische Küche zum Weltkulturerbe erklärt. Sie zählt zu den vielfältigsten und aufregendsten Küchen der Welt. Die Rezepte, so wie Frida Kahlo sie geliebt hat, sind in deutscher Sprache bisher wenig beschrieben. Sie sind oft etwas zeitintensiver und zutatenreicher als die „europäisierten“ mexikanischen Rezepte, die hierzulande eher üblich sind. Die renommierte Köchin Gabriela Castellanos wuchs in einer Region Mexikos auf, die auch Frida Kahlo stark prägte, heute ist sie Küchenchefin ihres eigenen mexikanischen Restaurants in der Schweiz und hat sich auf die Spuren der Rezepte Frida Kahlos gemacht. Es gelingt ihr dabei, die Original-Rezepte und -zubereitungen zu bewahren, aber auch Alternativen aufzuzeigen.

Gabriela Castellanos: Zu Gast bei Frida Kahlo, Becker Joest Volk Verlag, 192 Seiten, 32 Euro

 

Reis Eine Weltreise in Rezepten

Noch so ein Grundlagenbuch: Es verspricht eine Weltreise mit einem kleinen Korn. Reis ist das wichtigste Grundnahrungsmittel der Welt, ist gesund, glutenfrei und mit über 800 Sorten auch das vielseitigste Getreide. Rot, weiß, schwarz, klebrig, rund oder lang, kein Korn gleicht dem anderen, und jede Sorte hat das Zeug zum Superstar.
Im Buch von Martin Kintrup/Tanja Dusy erfährt der Leser alles über Reis – Herkunft, Reissorten, Zubereitungs- und Garmethoden sowie eine Sammlung gut nachvollziehbarer Rezepte, die den Leser einmal um den Globus reisen lassen. Wer sich auf diese spannende Reise einlässt, wird das Produkt Reis neu kennen- und liebenlernen. Von exotischen Currygerichten aus Indien bis hin zu herzhaften Paellas aus Spanien bietet das Buch eine sehr breite Palette an kulinarischen Erfahrungen.

Die praktische Struktur, die gelungene Auswahl der Rezepte und die ansprechende visuelle Präsentation machen es zu einem wertvollen Küchen-Begleiter. Ob erfahrener Koch oder Beginner, alle werden diesen Band schnell zu schätzen wissen. Ein ungemein lehrreiches und klug aufgebautes Buch.

Martin Kintrup/Tanja Dusy: Reis – Eine Weltreise in Rezepten, Zabert Sandmann Verlag,  224  Seiten, 29,99 Euro

 

Immergrün zeigt, was Gemüse alles kann

Gemüse ist und bleibt ein Küchen-Evergreen: Mit dem anhaltenden Trend zu vegetarischem und veganem Essen ist es zum eigentlichen Star auf unseren Tellern geworden. Mikkel Karstad, dänischer Kult-Koch und Food-Blogger, stellt in seinem Kochbuch „Immergrün“ Gemüse in den Mittelpunkt. Mit Erbsen, Fenchel, Mais, Karotten, Zwiebeln und wilden Kräutern verarbeitet er heimische Sorten und unterstreicht ihren natürlichen Charakter mit nur wenigen Zugaben und Gewürzen.

Wie man mit wenigen Handgriffen aus dem, was die Region und die Jahreszeit bietet, ein köstliches, aromatisches Gericht zubereiten kann, zeigt dieser hochwertig gestaltete Band. Die ebenso puren wie atmosphärischen Fotos von Anders Schønnemann unterstreichen den reduzierten Stil der Rezepte. Das Spannende an Gemüse ist, dass es je nach Jahreszeit und Witterungsbedingungen seinen Charakter und Geschmack verändert erklärt Karstad, der in unterschiedlichen Sterne-Restaurants gearbeitet und u.a. das Noma gastronomisch beraten hat. Die 14 Kapitel drehen sich um jeweils ein Gemüse, von Mais oder Erbsen und Zwiebeln bis zu roter Bete und Zucchini. Die Rezepte sind klar und schnell verstehbar.Vegetarische Kochbücher gibt es viele, das hier ist eines der allerbesten.

Mikkel Karstad: Immergrün – Die nordische Gemüseküche, Prestel Verlag,  296  Seiten, 26 Euro

 

Eine Liebeserklärung an Paris

Paris je t´aime ist ein kulinarischer Streifzug durch einen Tag in Paris, von früh bis spät, angereichert mit touristischen und kulturellen Tipps der faszinierenden Stadt an der Seine. Gleichzeitig oder vor allem aber eine Liebeserklärung an Frankreichs Metropole. Die beiden Autorinnen vermitteln das Savoir Vivre der Franzosen. Dieses Lebensgefühl war und ist geprägt von der Lust am Essen und Trinken – und genau das ist Thema des großformatigen Paris-Kochbuchs.

Es ist mit stolzen 320 gebundenen Seiten eingeteilt in die Kategorien Kleinigkeiten zum Frühstück, Bistroküche zum Mittagessen, etwas Süßes am Nachmittag, Apéro bevor es zum Abendessen geht, Vorspeisen zum Start ins Menü, Abendessen – festlich oder für jeden Tag, Gerichte aus dem Mahgreb und Nachtisch als verführerischer Abschluß. Insgesamt sind 100 authentische Rezepte aus der traditionellen sowie modernen Pariser Küche enthalten. Wie wäre es mit einem heißes Käsesoufflé als Vorspeise, ein klassisches Boeuf bourguignon als Hauptgericht und süße Crêpes Suzette als i-Tüpfelchen. Acht Themenkapitel sind es insgesamt sowie sechs edle Menüvorschläge für besondere Anlässe. Zusätzlich gibt es interessante Reportagen, Insider-Tipps und stimmungsvolle Stadtbilder zu den verschiedenen Arrondissements, die für echtes Paris-Flair sorgen.

Svenja Mattner-Shahi/Britta Welzer: „Paris je t´aime“, EMF Verlag, 318 Seiten, 39 Euro

 

Die aktuellen Weinführer 2024

Eichelmann 2024 Deutschlands Weine

Autor Gerhard Eichelmann präsentiert seinen knallgelben Weinführer schon in der 24. Auflage. Und in der Tat: Der „Eichelmann“ ist längst das Buch zum deutschen Wein und seinen Erzeugern. Aktuell wurden 11.000 Weine verkostet und 875 Winzer mit 9.500 Weinen ausgewählt. Alphabetisch werden Erzeuger und ihre Weine geordnet. Weitere Informationen beziehen sich auf Adressen, E-Mail und Homepage, Inhaber, Rebflächen und Besuchszeiten. Bewertet werden die Weine nach dem international üblichen 100-Punkte-System. Zu jedem Wein wird der Preis angegeben. Jedes Weingut wird für seine Gesamtleistung mit zwei bis fünf Sternen eingestuft. Die Weingüter des Jahres wurden diesmal in sieben Kategorien prämiert.

Für die beste Weißweinkollektion des Jahres wird das Weingut Wittmann aus Westhofen in Rheinhessen ausgezeichnet – und Philipp Wittmann ist der erste deutsche Winzer, der diese Auszeichnung bereits zum dritten Mal erhält. „Rheinhessen dominiert seit langem bei unseren Schlussverkostungen der besten deutschen Rieslinge, und seit langem immer oben mit dabei sind die Weine von Philipp Wittmann“, begründet Gerhard Eichelmann die Entscheidung.

Die beste Rotweinkollektion hat das Weingut Franz Keller am Kaiserstuhl. Bereits zum zweiten Mal erhält das Oberbergener Weingut diese Auszeichnung, nun aber in etwas veränderter Besetzung, denn seit einigen Jahren führt Friedrich Keller Regie im Keller.

Sekt aus deutschen Landen hat stetig zugelegt und ist immer interessanter geworden, weshalb die Juroren seit einigen Jahren einen Preis für die beste Sektkollektion vergibt. Diese Auszeichnung geht an eine Sektkellerei, die zwar schon lange Sekt erzeugt, überwiegend für andere fränkische Weingüter, und inzwischen den Fokus verstärkt auch auf die eigene Marke legt, die Sektkellerei Höfer aus Würzburg in Franken.

Aufsteiger des Jahres ist Alexander Loersch aus Leiwen (Mosel). Alexander Loersch hat 2009 den elterlichen Betrieb übernommen, seither stetig sich weiterentwickelt. „In den vergangenen Jahren wurden die Rieslinge immer komplexer, saftiger, spannender; sie sind in der Jugend häufig noch verschlossen, entwickeln dann aber eine vibrierende, nachhaltige Art. Entdeckung des Jahres ist ein junges Weingut aus Franken, das Weingut Ottenbreit aus Obernbreit. Der Ehrenpreis für das Lebenswerk wird an Gert Aldinger aus Fellbach (Württemberg) vergeben, der laut Eichelmann wie kein Anderer Akzente gesetzt hat und innovativ war, ohne seine Herkunft zu vergessen. Er war schon immer aufgeschlossen für Neues, hat sehr früh schon Cabernet Sauvignon und Merlot gepflanzt, die heute davon erzeugte rote Spitzencuvée wird ihm zu Ehren GJA genannt.

Gerhard Eichelmann: Eichelmann 2024 Deutschlands Weine, Mondo Verlag Heidelberg, 1188 Seiten, Hardcover, 39,95 Euro

 

Vinum Weinguide Deutschland 2024

Mehr als 10.500 verkostete und bewertete Weine, rund 1.000 Weingüter in Einzelporträts, ausführliche Informationen zu den 13 Anbaugebieten plus der Gastregion Südtirol, dazu Trends und Entwicklungen der deutschen Weinszene, das alles bietet die neue Ausgabe des „Vinum Weinguide Deutschland“ 2024 auf insgesamt über 1.080 Seiten.

Die Sieger des Jahres heißen: Dörte und Meike Näkel vom Weingut Meyer-Näkel in Dernau an der Ahr. Sie wurden zum „Weingut des Jahres“ ausgezeichnet. Das Weingut Rings aus Freinsheim in der Pfalz ist der „Aufsteiger des Jahres“ und das Weingut Martin Prüm (Brauneberg an der Mosel) wird zur „Entdeckung des Jahres“ gekürt. Der Musiker, Produzent, Schauspieler, Moderator und Weinfreund Thomas Anders ist die „Weinpersönlichkeit des Jahres“.

Neben den zehn Top-10-Kategorien der besten und edelsten Weine des Jahrgangs zeichnet der Vinum-Weinguide in der Rubrik „Gut und Günstig“ auch die Weine mit dem besten Preis-Leistungs-Verhältnis in fünf Kategorien aus. Dazu zählen Literweine, Schaumweine, Rotweine sowie Weißweine in den Geschmacksrichtungen trocken und fruchtsüß.

Die Chefredakteure des Vinum-Weinführers, Harald Scholl und Matthias F. Mangold, sehen zwar den Riesling trocken weiterhin als die unangefochtene Königsdisziplin in Deutschland, allerdings mache der Chardonnay enorm an Boden gut. Die Weinexperten sagen der Sorte eine große Zukunft voraus. Und auch für den deutschen Sekt sehen sie noch viel Luft nach oben.

Vinum Weinguide Deutschland 2024, Christian Verlag, 1080 Seiten, 35 Euro

 

Gault & Millau Weinguide Deuschland 2024

Der Gault & Millau Weinguide ist einer der beliebtesten Weinführer Deutschlands. Kompetent und genussvoll führt er Liebhaber guter Weine zu den besten Gütern des Landes. Ob Ikonen oder Newcomer, kein Weingut von Bedeutung fehlt in diesem Werk. In Zahlen ausgedrückt ergibt sich folgendes Szenario: 250 Top-Empfehlungen deutscher Qualitätsweine, 6000 verkostete Proben und 800 verschiedene Weingüter, dazu ein Destillat-Special: 45 Brennereien mit 135 bewerteten Destillaten.

Weitere Entdeckungen, Überrasschungen und Weine „für die Ewigkeiten“, die man noch ein paar Jahre im Keller lassen sollte gibt es außerdem. Dies alles listet dieser  Weinführer auf.

Doch nicht nur die Qualität, sondern auch die Diversität des deutschen Weins werden buchstäblich ins rechte Licht gerückt. Insgesamt ist der grüne, 704 Seiten dicke Band ein Standardwerk für alle Weinfreunde und gleichzeitig eine Entdeckungsreise zu Deutschlands Weinen und ihren Erzeugern.

Gault & Millau Weinguide Deutschland – Die besten Weine 2024, EMF Verlag, 704 Seiten, 45 Euro

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