Ahmad Jamals Liebeserklärung an Marseille

Ahmad Jamals Liebeserklärung an Marseille

Musikkritiker ignorierten ihn lange Zeit. Doch inzwischen genießt Ahmad Jamal, am 2. Juli 1930 in Pittsburgh (Pennsylvania) als Frederick Russell Jones geboren und in den 1950er Jahren zum Islam übergetreten weltweit großes Ansehen. Kein Wunder, liefert er doch auch im hohen Alter von 87 Jahren kammermusikalischen Piano-Jazz der Extraklasse. Kürzlich hat der Grandseigneur des amerikanischen Jazz ein umwerfend gutes Album veröffentlicht. „Marseille“, so der Titel, beweist, dass sich der Meister weiterhin auf dem Gipfel seiner Kreativität bewegt. Es ist eine musikalische Liebeserklärung an Frankreich und seine älteste Stadt am Mittelmeer. Keine Frage, die südfranzösische Hafenstadt hat es ihm angetan. Und so hat er dieser Stadt mit ihren multikulturellen Einflüssen sein jüngstes Werk gewidmet und das Titelstück gleich mehrfach eingespielt: einmal instrumental, einmal mit der Spoken-Word Poetry des Rappers Abd Al Malik und einmal mit dem Gesang der afro-französischen Sängerin Mina Agossi.

Auf seinem aktuellen Album sind auch wieder seine bewährten Begleiter dabei: der Bassist James Cammack, der Schlagzeuger Herlin Riley und natürlich Manolo Badrena, der ehemalige „Weather Report“-Perkussionist.

Ausgedehnte Pianosoli sind eher selten bei Jamal. An ihrer Stelle stehen eng gewobene Ensemblepartien, durchsetzt mit Improvisationen. Bis auf Joseph Kosmas „Autumn Leaves“ und dem Traditional „Sometimes I Feel Like A Motherless Child“ stammen sämtliche Kompositionen von Jamal.

Die Musik dieses fantastischen Quartetts kreist – mehr als sonst im Jazz üblich – um Rhythmik und Ostinato-Figuren, die Jamal gerne für seine ausgeklügelte Dramaturgie nutzt. Jamal und sein Quartett sind ein Wunderwerk an musikalischer Präzision und der beständige Wechsel vom Afro-Latin-Groove zum Swing lässt überaus spannende Momente entstehen. Diese Album ist ein absolutes Highlight und ein Hörgenuss aller ersten Ranges.

Ahmad Jamal: „Marseille“ ist auf dem Label Jazz Village im Vertrieb von PIAS erschienen.

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