Das Rheingau Musik Festival 2017: 30 Jahre und kein bisschen leise

Das Rheingau Musik Festival 2017: 30 Jahre und kein bisschen leise

30 Jahre sind eine lange Zeit. 2017 kann das Rheingau Musik Festival auf ebendiese Jahreszahl zurückblicken. Und damit auf abertausende Konzerte an den tollsten Locations im Rheingau und der hessischen Landeshauptstadt Wiesbaden. Großartige Künstler haben seit dem Ende der 1980er Jahre schon auf den Bühnen dieses schönen Fleckchens Erde gestanden – und auch in diesem Jahr bietet das Programm wieder viele Höhepunkte, die Musikfans von weit her anreisen lassen. Das diesjährige Festival steht unter dem Motto „Aufbruch“. Und wohin die Reise geht – darauf wollen wir hier ein paar erste Einblicke geben – und fokussieren uns dabei auf die jazzigen Highlights des Programms.

Und der „Fokus Jazz“ Künstler ist in diesem Jahr Michael Wollny. Mit drei Konzerten ist der charismatische Shooting-Star des Jazzpianos im diesjährigen Line-up vertreten – und stellt damit einmal mehr den Facettenreichtum und die Flexibilität seines Könnens unter Beweis. Ob im Duo mit Saxophonist Marius Neset (14. Juli) oder zusammen mit einem echten „All Star“-Ensemble, zu dem auch der französischen Akkordeon-Spieler Vincent Peirani gehört, mit dem er kürzlich ein grandioses Album aufgenommen hat – am 23. August. Und auch die Kombination „Wollny meets The Norwegian Wind Ensemble“ am 29. August dürfte eine sehr spannende werden.

Doch auch die übrigen Jazz-Highlights machen Vorfreude: Zur traditionellen „Friday Night in J’berg“ am Abend des 30. Juni lädt diesmal keine Geringere als Jazz-Diva Dee Dee Bridgewater. Ihr zur Seite steht das Landes Jugend Jazzorchester Hessen unter der Leitung von Wolfgang Diefenbach. Diesen Open-Air-Termin sollten sich Jazzfans schon einmal rot im Kalender markieren, denn wenn die messerscharfen Bläsersätze von Hessens äußerst talentiertem Jazz-Nachwuchs auf die warme, variantenreiche Stimme von Dee Dee Bridgewater treffen, verspricht dies, ein äußerst gelungener Abend zu werden. Insbesondere, da die Location, der Cuvéehof des altehrwürdigen Schloss Johannisberg, vor und nach dem Konzert mit einem Gläschen Riesling und einem tollen Panorama in den Rheingau locken. Am Abend davor trifft der israelische Jazzbassist Omer Avital in der Alten Lokhalle Mainz auf seinen Nachnamens-Vetter Avi. Der ist aber so gar kein Jazzer, sondern spielt klassische Mandoline. Die Kontraste könnten nicht größer sein – aber genau deshalb birgt diese Kombination allerhand positive Überraschungsmomente für Künstler und Publikum.

„Der Greis ist heiß“ – so lautet der Titel eines vor kurzem aufgenommenen Songs von Klaus Doldinger. Der „Elder Statesman“ des deutschen Jazz denkt mit seinen 81 Jahren noch lange nicht ans Aufhören – zu viel Spaß bereitet ihm die Musik und die Interaktion mit Publikum und Saxophon. Am 2. Juli tritt er zusammen mit zwei seiner Passport-Weggefährten Wolfgang Schmid (Bass) und Curt Dress (Drums) sowie der hr-Bigband unter der Leitung von Ed Partyka ebenfalls im Cuvéehof von Schloss Johannisberg auf. Let’s Swing!

Cooler Typ, coole Stimme, neues Album: Keine Frage, bei Soulsänger Myles Sanko läuft es gerade richtig rund. Der gelernte Koch tauschte irgendwann Töpfe und Pfannen gegen Mikro und Bühne – und ist schon zum zweiten Mal zu Gast beim Rheingau Musik Festival: 2015 begeisterte der sympathische Brite beim Open-Air-Konzert im Wiesbadener Kurpark das ausverkaufte „Haus“. 2017 steht seine Bühne in Geisenheim, wo er am 5. Juli zum Jubiläums-Sonderpreis von nur 10 Euro pro Ticket sein Gute-Laune-Feuerwerk abbrennen wird. Hingehen! Und soulig geht es weiter: Mit Joy Denalane und MIKIs Takeover! Ensemble. Das Streicherensemble hat die Songs der deutschen Soulqueen in ein neues Gewand verpackt und präsentiert diese zusammen mit der charismatischen Sängerin im Friedrich-von-Thiersch-Saal des Wiesbadener Kurhauses am 9. Juli.

Kein Rheingau Musik Festival ohne die „Lady’s Night“. Diese findet traditionell inmitten von ein paar der wohl besten Weintrauben des zukünftigen 2017er Jahrgangs statt – und zwar auf Schloss Vollrads. Oberhalb von Oestrich-Winkel gelegen, sorgt allein das außergewöhnliche Ambiente für eine großartige Atmosphäre. Am 11. Juli stehen Cyrille Aimée mit ihrer Band und einer vielversprechenden Mischung aus Gipsy-Jazz, brasilianischer Gitarre und karibischen Klängen sowie die Südafrikanerin Nomfusi auf dem Programm. Letztere wird nicht nur in ihrer Heimat bereits als die neue Miriam Makeba gehandelt – und hat diese sogar in der Filmbiografie „Mandela – der lange Weg zur Freiheit“ gespielt.

Bleibt noch das Open-Air Wochenende im Wiesbadener Kurpark als weiterer Fixstern des Festivals: Vom 4. bis 6. August gibt es Kuba, Soulpop und Deutschpop auf die Ohren – in genau dieser Reihenfolge! Auch hier ist die Location wunderschön, die Konzertmuschel ist zwischen Kurhaus und Kurpark-Weiher gelegen. Sattgrüne Bäume und fliegende Enten, dazu vielleicht noch einen Apérol Sprizz – und gute Musik. Den Anfang macht Roberto Fonseca mit seiner Band. Der kubanische Jazzpianist spielt das erste Set der „kubanischen Nacht“ in Wiesbaden, der zweite Teil wird von niemand geringerem als Eliades Ochoa – dem kubanischen Johnny Cash – bestritten. Der Autodidakt an der Gitarre war einer der Protagonisten des Buena Vista Social Club und versprüht zusammen mit seinem Quarteto Patria karibische Lebensfreude pur. „And I wonder why we hold on…“ den wohl größten Hit von Soulsänger und Saxophonist Curtis Stigers können wohl die meisten mitsingen. Doch er kann auch anders als schmachtende Soul-Walzer zum Besten zu geben. Wie wir aus gut unterrichteten Kreisen erfahren haben, stehen am Abend des 5. August sogar Jazz-Klassiker wie „Fly Me To The Moon“ auf der Setlist. Am 6. August heißt es dann „RMF goes Pop“, denn dann kommt Max Giesinger mit Band in den Kurpark – und sorgt mit seiner Musik für große Gefühle. Der Castingshow-Teilnehmer ist einer der wenigen, die es über die erste Euphorie-Welle nach den TV-Auftritten hinaus geschafft haben. Sein jüngster Erfolg ist die Deutschpop-Nummer „80 Millionen“.

Am 12. August kommt der sizilianische Sänger Mario Biondi mit seiner Band in den Rheingau – und tauscht damit Nero d’Avola gegen Rheingau-Riesling. Vielleicht war die Vorliebe für feine Weißweine auch der Grund, warum er erneut dem Ruf in den Rheingau folgte – und in diesem Jahr gleich im Hof von Schloss Vollrads auftritt?

Unsere letzte Empfehlung des diesjährigen RMF-Programms ist Chilly Gonzales, der zusammen mit dem Hamburger Kaiser Quartett am 19. August im Wiesbadener Kurhaus auftritt. Extrovertiert, exzentrisch und auch ein bisschen narzisstisch veranlagt – das ist der in Köln lebende Australier am Piano, der die Bühne nie ohne seinen samtenen Morgenmantel betritt. Die Aussichten: Stürmische Böen aus klassischer Richtung treffen auf Pop-Elemente und lustige Anekdoten. Dass er sich selbst für ziemlich gut hält, erzählt er häufig. Dass er wirklich etwas Besonderes ist, dürfte er mit diesem Konzertabend einmal mehr unter Beweis stellen.

Weitere Informationen und Karten im Vorverkauf gibt es auf der Website des Rheingau Musik Festivals. Der öffentliche Vorverkauf beginnt am 20. Februar.

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