Restart: Clueso mit neuem Album „Neuanfang“

Restart: Clueso mit neuem Album „Neuanfang“

Manchmal kommen diese Zweifel im Leben: Man fühlt sich wütend, angespannt und hilflos zugleich – vielleicht ein bisschen so, als hätte man gerade die Gewissheit erlangt, im falschen Zug zu sitzen und sich vom Ziel zu entfernen. So oder so ähnlich muss es sich auch für den Songwriter Clueso im vergangenen Jahr angefühlt haben. Zurück von seiner Deutschland-Tour stellt er fest, dass seine Gefühlslage alles andere ist als glücklich. Die Konsequenz ist eine Kehrtwende. Aber nicht irgendeine. Sondern seine ganz Persönliche. Er trennt sich von seiner Band, seinem Management und lässt auch den „Zughafen“, das von ihm mitgegründete Netzwerk für Kulturschaffende seiner Heimatstadt Erfurt hinter sich. Auf zu neuen Ufern.

Das Ergebnis? Kann sich absolut hören lassen. Frisch wie nie wirkt Clueso, mit bürgerlichem Namen Thomas Hübner, 15 Jahre nach seinem ersten Longplayer „Text & Ton“ mit seinem neuen Werk „Neuanfang“. Der Name – um diese Floskel zu bemühen – ist tatsächlich Programm: Voller Energie, aber auch voller Selbstzweifel besingt er sein Leben, seine Ängste, seine Erfahrungen. Und nicht zuletzt den Druck, der auf ihm als Person des öffentlichen Lebens lastet. „Ich musste feststellen, dass mich all die Verpflichtungen und Versprechungen gegenüber meinem Umfeld in meiner künstlerischen Freiheit einschränken“, sagt er heute über die Zeit vor „Neuanfang“. Die Texte klingen authentisch, erzählen Geschichten – mal sehr konkret, mal metaphorisch – und bieten reichlich Identifikationspotenzial.

Die Musik des Albums ist wieder deutlich weiter vom musikalischen Mainstream entfernt als die seiner Vorgänger, die Arrangements wirken roher, weniger glatt und haben allesamt ihre Ecken und Kanten. „Neuanfang“ ist nicht nur der Titel des neuen Albums, sondern auch der Opener der zehn Songs und gleichzeitig die erste Auskopplung des Longplayers. Sie ist quasi die Essenz des Werks – und neben dem eingängigen „Achterbahn“, fast der einzige schnelle und laute Song. Besonders gefallen die nachdenkliche Nummern „Jeder lebt für sich allein“ und „Lass sie Reden“. In letzterem Song singt Clueso „…denn im Leben gibt’s nicht immer Applaus!“ Für „Neuanfang“ dürfte es aber definitiv welchen geben – ein sehr gelungenes Album!

Clueso: „Neuanfang“, erschienen bei Text & Ton / Vertigo Berlin.

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