Ray Anderson: Die Orgel hat ihn schon immer gefesselt

Ray Anderson: Die Orgel hat ihn schon immer gefesselt

Ray Andersons Meriten sind in Jazzkreisen ja weidlich bekannt. Der Ausnahmeposaunist hat noch keine mittelmäßige CD gemacht.

Auch ältere Werke, wie „It Just So Happens“, „Blues Bred In The Bone“, „What Because“, „Wishbone“, „Modern Life“ oder „Old Bottles – New Wine“ waren durch die Bank hörenswert. Jetzt liegt mit „Being The Point“ ein neues Album vor, das geradewegs an die bisher gelungenen Werke anknüpft. Und doch ist es für Anderson Neuland.

Denn die instrumentale Besetzung ist ungewöhnlich, zumindest für Ray Anderson. Die Besetzung mit Posaune, Orgel, Gitarre und Schlagzeug ist etwas Besonderes, denn in der Regel ist ein Tenorsaxofonist Partner eines Organisten. Schon seit ewigen Zeiten war es ein Traum von Anderson mit einem Organic Quartet zu spielen. Mit den Musikern Tommy Campbell (Drums), Steve Salerno (Gitarre) und Gary Versace (Orgel) ist dieser Traum jetzt wahr geworden.

Ein Musiker wie Anderson sucht die Herausforderung, das Neue, das noch nicht Dagewesene. Mit diesem Quartett kann er sich verändern, weiterentwickeln. Und er kann seine enorme Spielenergie beim Mix aus Souljazz, karibischen Rhythmen, swingendem Mainstream und Avantgarde voll ausleben, auch, und vor allem dank des Sound der Hammond-Orgel, die ihn schon immer elektrisierte. Seit Ray Anderson 1964 seine erste Platte bekam, „Back at the Chicken Shack“ von Jimmy Smith, ist er von der Hammond-Orgel gefesselt. „Musik ist für mich wie Essen“, sagte Anderson kürzlich in einem Interview. „Sie ernährt mich, nicht nur finanziell. Manchmal möchte ich einfach etwas Anderes ausprobieren, statt Fisch einmal Pasta kosten, am nächsten Tag dann einen guten Salat und dann vielleicht ein Dessert. Mein Ziel ist es aber, immer den besten Fisch, die leckerste Pasta und den knackigsten Salat zuzubereiten.“ „Being The Point“, das aktuelle Album, ist voller schöner Klänge. Ray Anderson breitet darauf ein breites Spektrum an Stilen und Stimmungen aus. Eine gelungene Produktion. Zum Nebenbeihören viel zu schade. Unsere Anspieltipps: „Marching On“ (Blues for John Lewis) und „Realization“.

Ray Anderson’s Organic Quartet: „Being The Point“ ist erschienen bei Intuition/Schott Music.

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