Applaus, Applaus: Robert Glasper mit neuem Album

Applaus, Applaus: Robert Glasper mit neuem Album

Nach seinen zwei „Black Radio“ Alben kehrt Robert Glasper zurück zu seinen musikalischen Wurzeln, dem Jazz-Piano. Akustisch. Authentisch. Harmonisch. Und: Mehr Jam-Session als straight eingespielter Longplayer. Er habe das Klavier vermisst, so steht es in der Presseinformation zu lesen, aber keinesfalls eine All-Star-Band um sich scharen wollen.

Statt dessen lud er seine ehemaligen Weggefährten Vincent Archer am Bass und Damion Reid an den Drums ein, am neuen Album mitzuwirken. „Covered“, so der Titel der neuen Scheibe, wurde live im Studio aufgenommen. Natürlich nicht in irgendeinem, sondern im legendären „Studio A“, zu finden im Hause Capitol Records in Hollywood, einem Ort, an dem schon Stars wie Frank Sinatra oder die Beach Boys ihre Alben einspielten. Die Stimmung ist entspannt, der Kreis wirkt sehr intim, die Aufnahmen sind präzise und warm. So hört man Glasper oft mitsummen oder singen oder auch das unmittelbare Feedback des Publikums. Es muss ein wirklich schöner Abend gewesen sein.

„Das Studio hat eine ganz eigene Magie, man könnte stundenlang die Namen der Größen herunterrasseln, die dort aufgenommen haben“, sagt Glasper.

Doch was genau macht die Magie von „Covered“ aus? Für mich ist es vor allem die Auswahl der Songs, gepaart mit Graspers der sehr charismatischen, harmonieverliebten komponier- und interpretationskunst. Das Piano dominiert zwar, aber nicht unangenehm. Die Drums sind zurückhaltend, sorgen aber für eine groovende Rhythmik. Damion Reid ist ein Meister filigraner Breakbeats, was sich eindrucksvoll an Songs wie „I Don’t Even Care“ oder der Coverversion des Jazz-Standards „Stella By The Starlight“ hören lässt, kann aber auch subtile four-to-the-floor Rhythmen wie bei „Levels“ überzeugen. Vincent Archer bleibt zwar meist im Hintergrund, weiß aus dieser Rolle aber auch mit entspannten Walking-Bass-Lines oder hohen Tonfolgen auf dem Kontrabass auszubrechen – und auf diese Weise für Abwechslung zu sorgen.

Zu meinen Favoriten auf „Covered“ zählen die entspannte Ballade „Good Morning“ mit eingängigem Hauptthema und wunderschönem Bridge-Teil und das Cover des Songs „So Beautiful“ im Original von Neo-Soul Sänger Musiq Soulchild dank großartiger Melodie, stimmungsvollen Trio-Feeling und perlenden Improvisationen am Piano, ergänzt um ein paar Voice-Samples vom Urheber selbst.

„Covered“ ist erschienen bei Blue Note Records.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.