Souvenance: Music for Oud, Quartet & String Orchestra

Souvenance: Music for Oud, Quartet & String Orchestra

„Souvenance“ heißt das neue Album des Oud-Spielers Anouar Brahem. „Souvenance“ bedeutet „Erinnerung“. Entsprechend ist Brahems neues Album eine Retrospektive, die – wie das beklemmende Coverfoto erahnen lässt – ein ganz persönliches Resümee dessen ist, was in den Jahren 2010 und 2011 als „Arabischer Frühling“ in Brahems Heimatland Tunesien begonnen hatte und sich zu einem Flächenbrand im Norden Afrikas entwickelte.

„Souvenance“ ist eine Doppel-CD. Eingespielt wurde der Longplayer mit Pianist Francois Couturier, Klaus Gesing an der Bassklarinette und Björn Meyer am Kontrabass in Lugano, begleitet vom Orchestra della Svizzera Italiana. Schon dem ersten Titel „Improbable Day“ merkt man an, dass Brahem die Jahre seit Beginn der 2010er intensiv genutzt hat, um seine Eindrücke musikalisch zu verarbeiten. Auch wenn Brahem keine direkte Verbindung zwischen konkreten Ereignissen und seinen Songs sieht, so spricht dennoch die ganze Bandbreite der Gefühle von Trauer über Unsicherheit bis hin zur Hoffnung aus den Arrangements, die alle erst nach ihrer Aufnahme benannt wurden und bis dahin nur unter dem Datum ihrer Komposition existierten.

Dass die Zusammenarbeit der Künstler im Studio eine sehr fruchtbare gewesen sein muss, legt die hohe Qualität der Aufnahmen nahe – und das trotz eines sehr engen Timings. Auf „Souvenance“ schrieb der Tunesier zum ersten Mal Kompositionen für Streichinstrumente. Über die Zusammenarbeit mit dem Orchester sagt er:

Pietro Mianiti, der Dirigent des Orchesters, war nicht nur hilfreich, sondern auch sehr flexibel und offen für all unsere Ideen.

Anouar Brahem

Die Musiker – alle Meister ihres Fachs – erscheinen mit ihren Instrumenten absolut ebenbürtig. Keine Dominanz. Keine Einseitigkeit. Kein unangenehmes Drängeln in den Vordergrund. Symbiotisch, wie aus einem Guss, klingt die Zusammenarbeit von Quartett und Orchester. Mal sanft, mal dramatisch treiben die Streicher die eingängigen Melodien, die sich zumeist Francois Couturier am Piano und Brahem an der Oud und manchmal auch Klaus Gesing an der Klarinette teilen. Schön zu hören bei „January“ oder „Like A Dream“, beide auf CD zwei. Dass Björn Meyer am Kontrabass oft als einziges Instrument den Rhythmus- oder Taktgeber spielt, mindert den hohen musikalischen Anspruch des Albums zu keiner Zeit, sondern ist vielmehr ein Beweis dafür, dass sich Brahem bei seinen Kompositionen in die einzelnen Instrumente gut hineinzuversetzen weiß und es meisterlich versteht, diese zu orchestrieren.

„Souvenance“ ist Musik für die stillen, die nachdenklichen Stunden – und passt gerade deshalb so gut in die Wintermonate. Kein erzwungenes politisches Statement, keine übertriebenden Klagelieder – sondern vielmehr ein authentisches Gefühlsbild, übersetzt in Musik. Das Album ist Ende November 2014 beim Label ECM Records erschienen.

 

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