Im Interview: DJ Jondal

Im Interview: DJ Jondal

Seit fast 40 Jahren steht DJ Jondal schon hinter den Turntables. Jondal, der im bürgerlichen Leben Martin Unger heißt und aus München stammt, ist Kosmopolit und Botschafter der entspannten Grooves. Mit der „Klassik Lounge“ auf Klassik Radio oder der „Space Night“ des Bayerischen Rundfunks brachte er Ambient & Co einem großen Publikum näher und ist heute sogar im Chillout-Kanal der Fluggesellschaft Emirates zu hören. Ganz nebenbei ist er in verschiedenen Projekten mit anderen Künstlern beschäftigt, berät Unternehmen im Bereich Musik und arbeitet an eigenen Compilations. Wenn er nicht gerade auf Tina Turners Hochzeit in der Schweiz auflegt oder Pläne für ungewöhnliche Orte zum Auflegen schmiedet. Jüngst erschien die achte Auflage seiner Serie „Obsession Lounge“. Keine Frage: Nach fast vier Jahrzehnten im Musikgeschäft weiß Jondal, was er tut. Zeit für einen Blick zurück – und nach vorn.

FSeit 1976 legst Du Platten auf. Wie bist Du zur Musik gekommen und was war eigentlich Deine erste Platte?

AZur Musik bin ich in erster Linie durch meine Eltern gekommen. Bei uns zuhause lief fast immer das Radio, meistens AFN, das Radio der amerikanischen Streitkräfte. Wenn meine Eltern Besuch hatten, legte mein Vater Swing und Rock’n’Roll Platten auf. Als Kind nahm ich Musikunterricht und mein Taschengeld legte ich in Singles an. Meine erste Single war „Lola“ von den Kinks, jedoch nur, weil der alte und eher schlecht sortierte Plattenladen um die Ecke an dem Tag sonst nichts Brauchbares hatte…

FOffenbar hast Du Dich dadurch nicht vom Musikmachen abhalten lassen. Wenn Du auf die vergangenen Jahre und Jahrzehnte zurückblickst, was war für Dich das schönste Erlebnis?

AHighlights gab es so einige… Besonders im Gedächtnis geblieben ist mir aber der „Lifeball 2006“ in Wien, den ich mit eigens produzierter Musik vor 45.000 Zuschauern vor Ort und abertausenden an den Bildschirmen eröffnen durfte. Die Kulisse vor dem Wiener Rathaus, die barocken Kostüme und die Tatsache, dass nach mir die Wiener Philharmoniker spielten, erzeugen bei mir bis heute eine wohlige Gänsehaut. Das war ein bewegender Moment.

FUnd wie war es so, auf Tina Turners Hochzeit in Zürich aufzulegen?

ATina Turners Hochzeit, war sicherlich ein weiteres Highlight, nicht zuletzt Dank der vielen illustren Gäste und einem traumhaften Ambiente am Zürichsee. Es erforderte minutengenaues Timing und war, dank eines sehr exakten Briefings des Brautpaares, ein einzigartiges Erlebnis, das mir ein Leben lang in guter Erinnerung bleiben wird.

FHat DJ Jondal einen Lieblingssong? Und wenn ja: Welchen und warum?

AIch habe Hunderte Lieblingssongs. Und mit jedem dieser Songs oder Titel verbinde ich etwas aus meinem Leben. Ich möchte gar keinen speziellen Song herausgucken, denn ich möchte nicht Gefahr laufen, auf diesen einen reduziert zu werden. Außerdem wäre es den anderen Stücken und Musikern oder Produzenten gegenüber nicht gerecht.

FEine salomonische Antwort! Kommen wir zu Deiner aktuellen Musik: Vor Kurzem hast Du die achte Auflage Deiner Compilation „Obsession Lounge“ veröffentlicht – hast Du ein Erfolgsrezept?

ASicherlich habe ich mir einen Namen gemacht weil ich wohl ein „glückliches Händchen“ besitze, was die richtige Auswahl an Titeln angeht. Ein Erfolgsrezept möchte ich aber für mich nicht verbuchen. Vielleicht liegt es aber auch daran, dass ich viel Zeit damit verbringe, neue aber auch ältere Titel genauestens anzuhören und dann danach zu selektieren, zu welchem Thema oder Projekt, es am besten passen könnte. Dabei sind vor allem die Tonart und die verwendeten Instrumente wichtig. Und natürlich sind Stimmen und Tempo der Songs für einen fließenden Mix von großer Bedeutung. Schon seit längerem tendiere ich eher zu Titeln, die mit echten Instrumenten eingespielt wurden.

FKannst Du etwas zu Deinen aktuellen Projekten sagen? Woran arbeitest Du gerade? Und kann man Dich in nächster Zeit auch mal wieder live erleben?

AGerade arbeite ich an einer neuen Doppel-CD, die den Namen „Daydreamer Volume 1“ trägt. Darauf ist eine Auswahl von Titeln, die ich an einem besonders entspannten Ort, oder in einem ganz besonderen Moment hören möchte. Es ist eine audiophile Reise durch Traumwelten unserer Fantasie. Ich war Ende November im Planetarium Hamburg, dort hatten meine Freunde von Vargo die Präsentation ihres neuen Albums. Und dort habe ich den Abend eröffnet um im Anschluss für Fans und Freunde im Foyer aufgelegt. Weitere Livetermine stehen auf meiner Webseite unter dem Punkt „Events“.

FLetzte Frage: An welchem Ort würdest Du gerne mal auflegen, den Du bis jetzt noch nicht im Repertoire hattest?

AOh, da gibt es so einige Orte an denen sich mein Sound sicherlich gut entfalten könnte! Am Rande des Grand Canyons zum Beispiel, bei Sonnenuntergang oder Sonnenaufgang – oder beim Burning Man Festival in der Black Rock Desert. Und ich träume schon länger davon, ein Set mit Lasern und VJs, mit Visuals und Hologrammen im Amphitheater von Ephesus zu spielen. Aber auch davon, als DJ für einen namhaften Elektronic-Act das Konzertpublikum einzustimmen. Ideen gibt es also mehr als genug!

FLieber Jondal, danke für das Interview – und weiterhin viel Erfolg!

Foto: Steffen Gottschling – Photographie & Photokunst

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