Robuster Reisebegleiter: Der Nyne TT im Test

Robuster Reisebegleiter: Der Nyne TT im Test

Wo früher der gute alte Kassettenrecorder für die meist fragwürdige Beschallung im Urlaub sorgte, ist heute der Bluetooth-Speaker das Mittel der Wahl im Reisegepäck. Doch nicht jedes Gerät ist für den Einsatz unterwegs gleichermaßen gut geeignet. Deshalb haben wir uns zu Beginn des Jahres den Nyne TT für einen Test in die Redaktion geholt. Er ist explizit für das „Leben auf Achse“ gemacht. Sagt zumindest der Hersteller. Und – soviel sei vorweg genommen – nimmt den Mund damit nicht zu voll.

Optisch ist das Gerät ein Leckerbissen. Und auch in Sachen „unboxing“ scheint man sich bei Nyne auszukennen – die Verpackung verspricht Wertigkeit und präsentiert das Gerät sehr angemessen. Mit rund 25 Zentimetern fällt der Nyne TT zwar ein wenig breit aus, ist dafür aber recht schmal. Und mit knapp 900 Gramm in dieser Größenklasse eher ein Leichtgewicht. Das Design selbst fällt durch viele Rundungen auf. Während die Vorderseite ist von einem Meshgitter überzogen ist, kommt auf der Rückseite ein stabiler, gummierter Kunststoff zum Einsatz. An den Seiten befinden sich Blenden mit Metallic-Lack. Die Bedientasten haben einen guten Druckpunkt und geben keine Rätsel auf. Ein erfolgreiches Pairing quittiert die Box mit einem kurzen Ton und einer blau leuchtenden LED. Einziger kleiner Kritikpunkt: Die Akku-Anzeige warnt für meine Begriffe einen Tick zu spät vor dem leeren Akku.

Der Nyne TT will der perfekte Reisebegleiter sein. Bis auf die Größe – das lässt sich schon nach kurzem Testen feststellen – ist er das auch. Denn das Zubehör fällt reichhaltig aus. Vier internationale Stecker sind dabei, ein passender Netzadapter sowie ein 3,5 Zoll Miniklinke-Kabel für Audioquellen ohne Bluetooth. Das wichtigste Zubehör für den Frequent Traveller dürfte aber wohl die passgenaue Neoprentasche mit Schulterriemen sein, die den Nyne TT wirksam schützt, ausreichend Klang durchlässt – und die Bedienung kaum einschränkt. Leider ist das Anbringen etwas friemelig. Abe einmal angebracht, macht sie ihre Sache gut. Denn: Die Tasten sind auf der Tasche aufgedruckt – und auch durch die Tasche hindurch bedienbar. Die Anschlüsse befinden sich allesamt auf der Rückseite – und zwar hinter einer kleinen Klappe, die in geschlossenem Zustand der runden Form des Nyne TT folgt – und ohne die er normalerweise nicht stehen könnte. Beim Öffnen gibt sie gleich noch die Anschlüsse für die Stromversorgung, den analogen Audioeingang, den An- und Ausschalter sowie den USB-Port frei, über den der robuste Reisebegleiter Smartphone & Co laden kann. Keine schlechte Funktion für alle, die unterwegs sind. Dass der Nyne TT auch als Freisprecheinrichtung taugt, ist eigentlich kaum erwähnenswert, denn das können heute fast alle Bluetooth-Speaker. Die Klangwaage funktioniert ordentlich, hat nur bei etwas höherem Umgebungspegel kleine Probleme. Aber das dürfte den meisten Menschen relativ egal sein.

Nicht so der Sound, denn das ist – neben all den schönen Zusatzfunktionen – in meinen Augen noch immer Entscheidungskriterium Nummer 1 für einen Bluetooth-Speaker. In Sachen Lautstärke macht der rot-schwarze Kasten einen richtig guten Job: Nur wenig Klirren bis kurz vor das Maximum. Im ganz niedrigen Lautstärkebereich neigt der Nyne TT jedoch ein wenig zum „Nuscheln“ – besonders die hohen Frequenzen fallen ab und ein leises Rauschen im mittleren Frequenzbereich wird hörbar. Je höher man den Pegel am Gerät selbst einstellt, desto leiser wird dieses Rauschen. Regelt man dann das gekoppelte Tablet oder Smartphone auf das untere Drittel seiner Lautstärkenskala, kommt der Ton dagegen sehr ordentlich aus den beiden verbauten Lautsprechern mit Passivradiator. Empfehlung: Wer seine Musik häufig sehr leise hört, der sollte den Nyne TT vorher probehören. Zum Beispiel mit „Not Yet Begun“ von Julian Maier-Hauff, feingliedrigem Elektro- / Jazz-Crossover, starken Bässen und affektgeladenen Loops, bei dem der gesamte Frequenzbereich des Speaker gefordert wird.

Exkurs: PassivradiatorKurzer Exkurs: Eine „Box“ kann als geschlossenes oder offenes System gebaut werden. Schwingt eine Membran in einem offenen System, entweicht Luft aus dem Gehäuse, bzw. wird Luft hineingesogen. Der Passivradiator ist wie eine zweite, flexible Membran, verschließt die Box aber. Schwingt die erste, aktive Membran, gleicht der Passivradiator die Druckunterschiede innerhalb der Box aus – ebenfalls durch Schwingungen. Einer der Hauptvorteile sind bessere Tieftöne auf kleinerem Raum. Deshalb ist diese Technik gerade bei kompakten Abmessungen sehr beliebt, wenngleich auch etwas komplexer und kostenintensiver in der Konstruktion, verglichen mit offenen Systemen. Bei den meisten Bluetooth-Speakern liegen diese Bauteile innen, JBL setzt aber beispielsweise beim Flip 3 auf außen und ungeschützt angebrachte Passivradiatoren.

Unser Fazit

Im Vergleich mit anderen Speakern wirkt der Nyne TT recht ausgeglichen, uns sind kein übertriebener Bassfokus oder zu starke Höhen aufgefallen. Die oben beschriebenen, kleineren Einbußen dürften vielen Käufern egal sein. Und auch das gelungene Design sowie die üppige Ausstattung mit der wirklich überaus praktischen Tragetasche spricht für den Nyne TT. Auch in Sachen Durchhaltevermögen ist das Gerät mehr als nur guter Durchschnitt: Wir kamen auf knapp unter neun Stunden Spieldauer, haben aber auch meist mit 90% Gerätelautstärke getestet. Dafür ist er aber auch nicht ganz billig: Um 100 Euro kostet das Gerät im Netz, die UVP liegt sogar noch darüber. Dennoch: Unter den Bluetooth Speakern ist der Nyne TT eine Empfehlung für alle, die gern unterwegs sind. Ob im Freibad, am Südseestrand oder im Park. Nur bitte: Nicht im Bus oder in der Bahn aufdrehen – dafür gibt es Kopfhörer. Erhältlich ist der Nyne TT in rot/schwarz und weiß. Weitere Infos auf der Webseite des Herstellers.

 

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