Terje Rypdal ist endlich zurück – mit neuer Band

Terje Rypdal ist endlich zurück – mit neuer Band

Wenn das keine gute Nachricht für alle Terje Rypdal-Fans ist: der norwegische Gitarrist legt nach mehr als zehn Jahren endlich wieder ein neues Album vor. Eine neue Band hat er dazu auch zusammengestellt. Und was die Musik angeht, ist der inzwischen 73-jährige besser denn je. Bemerkenswert wie er auf „Conspiracy“ improvisiert. Ähnlich kraftvoll rockig und einfallsreich, wie er es Mitte der 1970er Jahre auf seinen bahnbrechenden ECM-Alben „Whenever I Seem To Be Far Away“, „Odyssey“  und „Waves“ tat. Damals wie heute lotet er das Klangpotenzial der E-Gitarre in vollen Zügen aus. Übrigens: Seine letzten Aufnahmen für ECM hatte Rypdal 2009 eingespielt. „Crime Scene“ entstand im Mai jenes Jahres beim Nattjazz-Festival in Bergen und erschien 2010, während das 2013 veröffentlichte Album „Melodic Warrior“ Aufzeichnungen aus den Jahren 2003 und 2009 enthielt. Danach verschwand der gute Terje eine Weile in der Versenkung. Doch jetzt ist er wieder präsent. Mit „Conspiracy“ geht er wieder in die Vollen. Für die gleichnamige Band, mit der er das Album unter der Regie von ECM-Boss Manfred Eicher im Februar 2019 im Osloer Rainbow Studio eingespielt hat, fand er in Keyboarder Ståle Storløkken einen idealen Mitstreiter.
Storløkken wirkte zuvor schon an den Rypdal-Alben „Vossabrygg“ und „Crime Scene“ mit. Am Schlagzeug sitzt Pål Thowsen, der in den 1970ern auf Bassist Arild Andersens ersten drei ECM-Alben getrommelt hatte und gut fünfzehn Jahre lang auch Ketil Bjørnstad begleitete. Komplettiert wird Rypdals neue Band durch den jungen Bassgitarristen Endre Hareide Hallre. Und Bandleader Terje Rypdal ist wieder ganz in seinem Element. Mit Anleihen in Blues und Rock schraubt Rypdal sein Instrument in sphärische Höhen. Seine Band baut ihm wundervolle Brücken für seine extravaganten Ausflüge. Experimentell geht es im Opener „As If The Ghost…Was Me“ zu, eher balladesk kommt der Track „What Was I Thinking“ daher. Ganz großes Kino zeigt die Truppe im Stück „Baby Beautiful“. Man kann es drehen wie man will, „Conspiracy“ ist ein Album der Sehnsüchte, der Wut und der Begehrlichkeiten. Rypdals Gitarre nimmt diese Schwingungen auf und erzeugt grandiose Sounds. Auf mehr als 40 ECM-Alben war Terje Rypdal im Laufe seiner Karriere bereits zu hören. „Conspiracy“ ist eine wunderbare und wichtige Ergänzung dieses eindrucksvollen Gesamtwerks.

Terje Rypdal gehört zu den Pionieren der Klangforschung. Als Gitarrist holte er den Rock in den Jazz. Das war lange visionär. Jetzt mit über 70 hat er sich zurück gemeldet. Er hat nichts von seiner Kraft und Verehrung für das Hymnische eingebüßt. Im Gegenteil! Der britische Kritiker und Poesie-Professor Michael Tucker hat Terje Rypdals Stil einmal als eine „Mixtur aus Rock- und Jazz-Phrasierungen mit einem Rubato-Interesse für Tonfarben und Dynamik, das häufig nach der klassischen Welt duftet“ zusammengefasst. Damit hat er den Nagel auf den Kopf getroffen.

Terje Rypdal: „Conspiracy“ ist auf dem ECM-Label erschienen.

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