40 Songs: Chavela Vargas zum 100. Geburtstag

40 Songs: Chavela Vargas zum 100. Geburtstag

Nach ihrem Tod twitterte Chavela Vargas weiter: „Hier endet meine Geschichte, die aus dem Nichts begann“, stand in einer vorbereiteten Nachricht, die wenige Minuten nach ihrem letzten Atemzug auf @ChavelaVargas erschien. Die lateinamerikanische Sängerin war mit ihren 93 Jahren in der Moderne angekommen. Geboren 1919 in Costa Rica begann sie als Straßenmusikerin in Mexiko-Stadt. In Männerkleidung, mit Zigarren, viel Alkohol und groben Ranchera-Liedern wurde sie in der spanischsprachigen Welt berühmt. Zu ihren größten Erfolgen gehören „De un mundo raro“, „La Llorona“ und „Paloma Negra“. Mit der deutsch-mexikanischen Malerin Frida Kahlo soll sie in jungen Jahren ein Verhältnis gehabt haben. Vargas spielte 1990 in Werner Herzogs „Schrei aus Stein“ mit und ist in den Soundtracks mehrerer Filme von Pedro Almodóvar zu hören. Mit 83 Jahren gab sie ihr erstes Konzert in der New Yorker Carnegie Hall, nahm kurz vor ihrem Tod mit 93 Jahren noch ein Album auf. Sie starb am 5. August 2012 in Cuernavaca, Mexiko.

María Isabel Anita Carmen de Jesús Vargas Lizano wurde am 17. April 1919 in San Joaquín de Flores in Costa Rica geboren. Chavela Vargas gilt als eine der Glanzpunkte der mexikanischen Musik. Von sich selbst sagte sie: „Ich bin eine mutige Frau, wild, lesbisch und gut“. Entdeckt von dem legendären José Alfredo Jiménez, als sie in den Straßen von Mexiko-Stadt sang, erlebte Chavela eine unglaubliche Karriere, während der sie ihren einzigartigen Stil kreierte und aus der mexikanischen Musik ein neues Genre machte. Chavela Vargas ist nicht nur eine Ikone der Musikwelt, sondern auch der feministischen Bewegung.
Anlässlich ihres 100. Geburtstags gibt es jetzt eine Doppel-CD. Darauf zu finden sind 40 ihrer wichtigsten Aufnahmen, die Klassiker wie „Macorina“, Nosotros“, „Volver“, „En El Último Trago“ oder „La Llorona“, sowie alle Lieder, die ihr Freund und Mentor Pedro Almodóvar in seinen Filmen verwendete wie „La noche de mi amor“ aus seinem letzten Film „Dolor Y Gloria“. Ein Teil der Kunst von Chavela Vargas bestand darin, dass das Pathos nie als solches erscheint, sondern als Ausdruck einer Persönlichkeit. Sie war eine große, schlanke Erscheinung mit einer expressiven, dramatischen Stimme und einem Machismo, der in Mexiko sonst wohl nur den Männern vorbehalten ist.

Chavela Vargas war für Lateinamerika, was Billie Holiday für die USA oder Edith Piaf für Frankreich: Eine Frau, die mit ihrer Stimme, mit jeder Note ihrer Lieder ihr ganzes Leben zu vertonen vermochte. Niemand sang von Einsamkeit wie Chavela Vargas. Denn sie sang von ihrem Leben. Als Teenager von daheim ausgerissen, war sie für ihre Zeitgenossen ein Skandal. Sie trug Hosen, trank Tequila, rauchte Zigarren. Sie sang „Rancheras“, traditionell von Männern gesungene Lieder an Frauen, die sie von allem Mariachi-Kitsch befreite. Auf dem vorliegenden Doppel-Album erfährt die resolute Künstlerin eine adäquate Würdigung ihrer Lebensleistung. 40 Songs, die eine Frau näherbringen und die große mexikanische Sängerin Chavela Vargas in Erinnerung rufen.

Chavela Vargas: „100th Birthday Celebration“ (Doppel-CD) ist auf dem Label DRO/Rhino/Warner Music erschienen.