Marianne Crebassa: Geheimnisse der französischen Liedkunst

Marianne Crebassa: Geheimnisse der französischen Liedkunst

Als 2015 Jürgen Flimms neuer Figaro an der Berliner Staatsoper über die Bühne ging, feierte das Publikum ganz besonders eine Mitwirkende: Marianne Crebassa in der Rolle des Cherubino. Der farbenreiche, verführerische und unglaublich bewegliche Mezzosopran, mit dem sie die Partie des pubertierenden Cherubino gestaltete, zeigte bereits das große Potenzial, das in der junge Französin aus Montpellier steckt. Im vergangenen Jahr feierte Crebassa mit „Oh, Boy!“ ihr CD Debüt gemeinsam mit dem Mozarteum Orchester Salzburg unter Marc Minkowski. Kürzlich ist nun Album zwei erschienen, auf dem sich die Sängerin unter dem Titel „Secrets“ den musikalischen Geheimnissen der französischen Liedkunst widmet. Auf „Secrets“ ist es ihr ureigenes Repertoire, das sie in Begleitung des türkischen Pianisten Fazil Say singt – französische Lieder von Debussy, Fauré, Ravel, Duparc und eine Eigenkomposition von Say. Es handelt sich um seine Ballade „Gezi Park 3“, die er im Zuge von Protesten im Istanbuler Gezi-Park geschrieben hat.

In den verschiedenen Liedern geht es um Sehnsucht, um subtil erotisches Verlangen, um antike Liebesszenen, Landschaftsvisionen voll symbolischer Erotik. Mit großer Hingabe und Natürlichkeit spielt Crebassa dabei ihre enorme stimmliche Beweglichkeit aus und singt voller Intensität und Frische.

Die Mezzosopranistin und der Pianist, Komponist und Performer sind wie geschaffen für diese Produktion. Dabei klingt die Sängerin mit dem leicht dunkel getönten Timbre extrem farbenreich, teilweise mädchenhaft verletztlich wie etwa in La Chevelure aus den 3 Chansons de Bilitis von Debussy oder Faurés Schwan aus den Mirages, dann wieder reif und voluminös wie in den 4 Melodien von Henry Duparc. Ravels betörende Shéhérazade intoniert die Mezzosopranistin mit knappem Vibrato. Maurice Ravels Vocalise-étude gerät zu einer leidenschaftlichen Habanera ohne Text.

Das Album beweist eindrucksvoll, dass die französische Mezzosopranistin Marianne Crebassa eine Expertin in Sachen Authentizität ist. Und ihr Partner Fazil Say sorgt für eine außergewöhnliche Tonsprache. Er ist ein fantasievoller (Weg-)Begleiter mit dem sie auch auf der Konzertbühne bereits oft zusammengearbeitet hat.

Marianne Crebassa: „Secrets“ ist bei Erato erschienen.

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