Starkes Statement zur Lage der Schwarzen in den USA

Starkes Statement zur Lage der Schwarzen in den USA

Ob mit den legendären Staples Singers oder als Solokünstlerin, von Spirituals, Gospel und Blues über die Protestsongs der Bürgerrechtsbewegung bis hin zu Funk, Soul und R’n’B hat die 1939 in Chicago geborene Mavis Staples die afroamerikanische Musik geprägt wie kaum eine andere Sängerin. Ihr aktuelles Werk ist ein Album der Stunde zur Lage der Schwarzen in Amerika. Staples zeigt mit „If All I Was Was Black“ – ihr mittlerweile 16. Studioalbum – wie wenig sich seit der Zeit der Bürgerrechtsbewegung verändert hat. „Nichts hat sich verändert“, erklärt Mavis Staples, und dieses düstere Fazit durchdringt dann auch einige der zehn neuen Lieder. Der Titel „Little Bit“ beschreibt eindringlich, wie sehr man als Afroamerikaner sein alltägliches Verhalten im Griff haben muss, um keinen Zwischenfall zu provozieren. Das von einer schroffen Gitarre dominierte „Who Told You That“ wird gar zu einer Hymne, die sich dagegen auflehnt, den Status quo zu akzeptieren. Und in „We Go High“ nimmt Staples direkten Bezug auf das berühmte Zitat von Michelle Obama „When they go low, we go high“. „Try Harder“ ist ein weiterer Song, der anklagt und das böse in der Welt geisselt. „There’s evil in the world and there’s evil in me“, singt Staples, und dazu spielt Wilco-Sänger Jeff Tweedy stark verzerrte Klänge auf seiner Gitarre.

Für „If All I Was Was Black“ ist sie nun (nach zwei Alben in den Jahren 2010 und 2013) wieder zu Jeff Tweedy zurückgekehrt, der nicht nur alle Songs schrieb, sondern auch als Musiker und Produzent verantwortlich ist.

Staples warme Stimme kann so freundlich, aber auch bitter und scharf klingen. Gründe hat Mavis Staples dafür in jedem Fall mehr als genug. Seit knapp zehn Jahren arbeitet die Soul-Sängerin, die einst mit der Familien-Band The Staple Singers ihre Karriere begann, mit dem Wilco-Gitarristen zusammen, der seitdem sämtliche ihrer Platten produziert hat. Es ist ein konzentriertes und offenes Album geworden, in dem neben Staples‘ grandioser Stimme und einer kleinen Rock-Band, die natürlich von Tweedys Gitarre beherrscht wird, nur noch ein paar gospelige Background-Stimmen Akzente setzen.

Dem Hass begegnet Mavis Staples mit Liebe. „Ich will die Menschen zusammenbringen“, sagt die Sängerin, „das ist zumindest meine Hoffnung. Ihr könnt mich nicht aufhalten. Diese Lieder werden die Welt verändern.“ Denn Zorn und Bitterkeit sind nicht alles, was die Essenz von „If All I Was Was Black“ ausmacht. Lieder wie „Build A Bridge“ oder „Peaceful Dream“ deuten es bereits an. „Ich fühle Leidenschaft“, betont die Sängerin, „und ich möchte, dass meine Hörer dieselbe Leidenschaft spüren“. Starke Worte von einer lebenden Legende. Ihr neues Album ist nicht nur ein starkes politisches Statement, es ist auch musikalisch ein absolutes Highlight.

Mavis Staples: „If All I Was Was Black“ ist auf Anti erschienen (Indigo).

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