Überzeugend: Branford Marsalis und Kurt Elling

Überzeugend: Branford Marsalis und Kurt Elling

Seine Zusammenarbeit mit Sting hat Branford Marsalis bekannt gemacht: Der US-Jazzsaxofonist hatte noch nie Berührungsängste mit Popmusik. Jetzt hat er erstmals ein ganzes Song-Album mit einem Sänger aufgenommen: mit seinem Landsmann Kurt Elling. „Upward Spiral“  – eine sich aufwärts drehende Spirale – heißt das neue Werk, und es gefällt auf Anhieb weil es das Unerwartete und das Überraschende bietet. So gibt es viele kleine Entdeckungen zu machen.

Erster Höhepunkt des Albums mit zwölf Songs ist gewiss die Ballade „Blue Gardenia“, die durch Dinah Washington berühmt geworden ist. Klug changieren Marsalis und Elling zwischen lauten und heftigen Klängen und beruhigender Stille. Ein weiteres Highlight ist die Sonny-Rollins-Nummer „Doxy“ mit großem Raffinement dargeboten. Von enormer Intensität geprägt ist Stings „Practical Arrangement“. Und so weiter und sofort. Insgesamt zwölf Punktlandungen auf einer CD.

Ja, ein Frank-Sinatra-Titel ist auch dabei, wenn auch mit „I’m A Fool To Want You“ kein tausendmal gehörter. Die Repertoire-Palette reicht weit: Stücke von Gershwin, Sonny Rollins, Antonio Carlos Jobim, Sting, Fred Hersch oder Chris Whitley sind vertreten. Und es stimmt auch: alle Titel sind relativ unbekannt und in vielen Fällen so neu arrangiert, dass man sie nicht sofort wieder erkennt. Stets aktiv die Rhythmusmaschine mit Pianist Joey Calderazzo, Bassist Eric Revis und Schlagzeuger Justin Faulkner, sie läuft wie eine geölter Blitz.

Mit diesem grandiosen Album kann man getrost eine selige Stunde verbringen. Da kommt nirgends Langeweile auf. Im Gegenteil: Branford, der älteste Spross der Marsalis-Familie, bläst hier mit großartigem, scharf zentriertem Ton sein Tenorsaxofon und erweist sich zum wiederholten Mal als ein Meister der Klarheit.

Sänger Kurt Elling (50) zählt längst zu den wenigen großen Sängern des Jazz. Sein Timbre und die immense Beweglichkeit seiner Gesangskunst erinnert an den großen Jon Hendricks. Dabei versucht er nie Hendricks zu kopieren. Sein warmer Bariton ist einzigartig. Er ist eben nicht nur Sänger, sondern auch Poet, der Musik und Text zu einem sehr eigenwilligen Ganzen verbindet. Was bleibt am Ende zu sagen über dieses faszinierende Album?

Nun, eigentlich wenig, nur soviel, es ist verdammt gut und zwar in jeder Beziehung, musikalisch wie technisch.

Branford Marsalis Quartet With Special Guest Kurt Elling: „Upward Spiral“ (Okeh/Sony)

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