Der Azul-Sound ist kreativ und sprengt Grenzen

Der Azul-Sound ist kreativ und sprengt Grenzen

Die Band Azul gibt es schon länger, genauer seit über 20 Jahren. Aber was heißt hier Band, Azul ist ein Sound. Und was für einer. Was das Trio auf dem neuen Album „More Than This“ abliefert, sprengt jegliche musikalischen Grenzen und passt in keine Schublade. Trotzdem stehen die drei Musiker in der Tradition der großen klassischen Jazz-Trios. Carlos Bica (Kontrabass), Frank Möbius (Gitarre) und Jim Black (Schlagzeug) gelingt es auf unnachahmliche Weise Raum zu schaffen füreinander und für die unterschiedlichen Einflüsse, die jeder bei dieser Begegnung mitbringt. Daraus entsteht ein farbenreicher Bandsound mit teils lyrischen Kontrapunkten und auffallend rhythmischem Drive.

Bicas südländische, sprich portugiesische, Leidenschaft, Blacks von der New Yorker Downtown-Szene geprägte Hipness und der hochkreative und vor allem ganz eigene Gitarrenstil von Frank Möbus ergeben eine undomestizierte Musik, eine eigenwillige Mischung aus Gitarrenrock, raffiniertem Jazz und Folk-Einflüssen.

Nachdem das 1996 erschienene erste Album „Azul“ von der Kritik als eines der besten nationalen Jazz-Alben aller Zeiten gefeiert wurde, folgten „Twist“, „Look What They’ve Done To My Song“, „Believer“ und „Things About“. Zwanzig Jahre später nun, bringen Carlos Bica & Azul „More Than This“ heraus. Das neue Album beschert dem Zuhörer neue Klanglandschaften. Man könnte meinen, dieses Album klingt, als ob das Trio zum ersten Mal gemeinsam spielt und komponiert, wäre da nicht das Meisterhafte und Souveräne herauszuhören. Man kommt unweigerlich ins Schwärmen bei diesen wundervoll impressionistischen Farben, der Schönheit der einfachen Lieder, sowie den komplexeren Stücken mit großem Tiefgang. Noch ein paar Worte zu den Musikern: Kontrabassist und Komponist Carlos Bica zählt zu den profiliertesten Klangkünstlern Portugals. International bekannt wurde er durch seine Arbeit u. a. mit Maria João, Aki Takase und Paolo Fresu. Frank Möbus gilt als einer der führenden Gitarristen Europas und Leader legendärer Formationen wie „Der Rote Bereich“. Jim Black schließlich ist einer der kreativsten und meistbeschäftigten Schlagzeuger der New Yorker Szene.

Fazit: Hochenergetische Triomusik zwischen lyrischen Momenten und rhythmischem Drive, die ihre Kraft aus den unterschiedlichen Kulturen der Musiker bezieht. Und noch eins wird überdeutlich: Nichts geht über langjährige Zusammenarbeit.

Carlos Bica & Azul: „More Than This“ (Clean Freed Rec/NRW)

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