Zum 100. Geburtstag von Ella Fitzgerald

Zum 100. Geburtstag von Ella Fitzgerald

Swing, Drive und Scat dürften die drei Dinge sein, an die Jazzfans zuerst denken, wenn es um Ella Fitzgerald geht. Damit einher ging noch ihre enorme Virtuosität. Alles zusammen genommen verleiht ihr zu Recht den Status „First Lady Of Jazz“. Die am 25. April 1917 in Newport Virginia geborene Sängerin würde in diesem Monat ihren 100. Geburtstag feiern. Ihre Kindheit und Jugend war alles andere als rosig. Sie war noch ein kleines Mädchen, als sich ihre Eltern trennten und ihre Mutter wenig später bei einem Autounfall starb. Die Wende in ihrem Leben brachte eine Talentshow im Apollo Theatre in Harlem, bei der sie im Alter von 16 Jahren als Tänzerin auftreten wollte. Weil sie zum Tanzen zu nervös war, hat sie dann einfach spontan gesungen und überzeugte die Juroren. Gott sei Dank! Was wäre der Welt entgangen, wenn sie’s beim Tanzen belassen hätte?

Bekannt wurde Ella Fitzgerald bereits in den 1930er Jahren als Teenager, als sie der Schlagzeuger Chick Webb als Sängerin für seine Band im Savoy Ballroom engagierte. Nach Webbs Tod 1939 übernahm sie die Leitung der Band, mit der sie mit einer Interpretation von „A-Tisket, A-Tasket“ einen Hit landete. Der Grundstein für eine märchenhafte Karriere war gelegt.

„Ich hörte im New Yorker Savoy Ballroom plötzlich eine Stimme, die mir kalte Schauer über den Rücken jagte. Ich rannte zum Podium, um herauszukriegen, wem diese Stimme gehört – und entdeckte ein reizend aussehendes dunkelhäutiges Mädchen, das ganz bescheiden dastand und derartig wahnsinnig sang.“ So beschrieb die Jazzpianistin Mary Lou Williams ihre erste Begegnung mit Ella Fitzgerald im Jahre 1936.

Schon kamen die erste Schallplatte, der erste Erfolgssong „Mr. Paganini“. Und dann ging es nur noch und sehr schnell steil nach oben in Richtung Weltruhm. Sie musizierte mit so gut wie allen Meistern des Jazz, in allen Formationen, mit Big Bands (Count Basie, Duke Ellington), mit Trios (Tommy Flanagan, Oscar Peterson), im Duo (mit Gitarrist Joe Pass), und bald zählte sie zu den Stammgästen in Norman Granz‘ Konzertreihe „Jazz At The Philharmonic“. Sie ging auf Welttournee, immer und immer wieder.

Keine Frage, sie war die größte in ihrem Metier. Ihre Stimme ist bis heute präsent auf unzähligen Tonträgern. Wir sollten anlässlich ihres runden Geburtstags ihre Alben wieder hervorkramen und uns von Ella verzaubern lassen.

Ella war nach Jahren bei Decca ab 1956 auf Granz’ Label Verve unter Vertrag. Es war der Auftakt zu Ellas nächstem Karrieresprung. Für Ellas Aufstieg entscheidend war Norman Granz’ Idee, sie solle eine Serie von Songbooks u.a. von Jerome Kern, Irving Berlin und anderen aufnehmen. Mit den Liedern von Cole Porter anzufangen war ein weiterer Geniestreich. Seine Songs wurden in Ellas Händen zu Meisterwerken. Ira Gershwin sah das für seine und die Kompositionen seines Bruders genauso. „Ich hatte keine Ahnung, wie gut unsere Songs waren, bis ich hörte, wie Ella Fitzgerald sie sang.“

Sie nutzte ihre Stimme als Instrument. Dabei konnte sie verschiedenartigste, extrem variable Sounds erzeugen und sich zugleich einer Emotionalität bedienen, wie man es vor ihr von Vokalisten nicht gewohnt war. Sie sang, als wäre sie eine weitere Instrumentalistin. Sie war gesegnet mit einem Stimmumfang von drei Oktaven.

Ella liebte Musik so sehr, dass sie einfach alles sang. So umfasste ihr Repertoire nicht nur das Great American Songbook, sie sang auch Doo-Wop, Bebop sowie Country- und Western-Songs. Auch einer damals neuen Gesangstechnik, dem Scat, verhalf sie zu ungeahntem Ruhm. Nein, erfunden hatte sie den Scat-Gesang nicht, aber sie hat ihn, spontan, schon früh für sich entdeckt, und niemand hat ihn je so einfallsreich, so gewandt und so kess jubilieren lassen wie sie – nicht zuletzt deswegen, weil sie so virtuos sang. „Wichtig für mich ist, dass die Leute mich lieben, so wie ich sie liebe“, hat Ella Fitzgerald einmal gesagt. Der Wunsch wurde ihr erfüllt. Mit ihrer facettenreichen Stimme hat sie sich in die Herzen ihres Publikums gesungen. Den Zuschauern zu gefallen, ging ihr über alles, und schlechte Kritiken nahm sie sich sehr zu Herzen.

Fitzgerald blieb bis ins hohe Alter künstlerisch aktiv, litt jedoch zunehmend unter den Begleiterscheinungen ihrer Herz- und Zuckerkrankheit und war zuletzt auf einen Rollstuhl angewiesen. Am 15. Juni 1996 starb die „First Lady des Jazz“ im kalifornischen Beverly Hills. Ella Fitzgerald bleibt unvergessen.

Anlässlich des 100. Geburtstags von Ella Fitzgerald ist jetzt die 4-CD-Box „100 Songs For A Centennial” erschienen (Decca/Verve). Die Kollektion umfasst Aufnahmen, die Ella Fitzgerald für Decca und – im Zenit ihres Könnens – für Verve gemacht hat.

wegotmusic.de-Empfehlung: Die besten Alben von Ella FitzgeraldThe Complete Recordings 1935-39 (Affinity), The Complete Songbooks 1956-1964 (Verve), At The Opera House 1957 (Verve), Ella And Basie 1963 (Verve), The Stockholm Concert 1966 (Pablo), Take Love Easy 1973 (Pablo), Ella A Nice 1971 (Pablo) und The Stockholm Concert 1966 (Pablo)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.