Mats Eilertsen: Der musikalische Output spricht Bände

Mats Eilertsen: Der musikalische Output spricht Bände

Aus dem Schulunterricht ist vielen uns der Begriff „Rubikon“ noch geläufig. Caesar hat ihn überschritten, den Grenzfluss, jenen Fluss, der die Provinz Gallia cisalpina von Italien trennte. Noch heute steht der Ausdruck „den Rubikon überschreiten“ dafür, sich unwiderruflich auf eine riskante Handlung einzulassen. Ob der norwegische Jazzbassist Mats Eilertsen an diesen geschichtsträchtigen Moment dachte, als er sein siebenköpfiges Ensemble zusammenstellte und seine neue CD „Rubicon“ aufnahm? Ein gewisses Risiko war schon dabei, schließlich galt es eine Vielzahl sehr unterschiedlicher Instrumente unter einen Hut zu bekommen, von den sieben Musiker-Individualisten einmal ganz abgesehen. Am Ende muss man sagen, dieses Wagnis hat sich gelohnt, der musikalische Output spricht für sich.

Eilertsen studierte nach einer Ausbildung in Trondheim vertiefend am Königlichen Konservatorium in Den Haag. Er hat an zahlreichen Alben norwegischer und britischer Musiker mitgewirkt, etwa für das Kåre Nymark Collective, Nils Økland, Eldbjørg Raknes, Solveig Slettahjell, Jacob Young oder die Band „Food“ des englischen Saxofonisten Iain Ballamy. Er trat mit Pat Metheny, Kenny Wheeler, Susanne Abbuehl, Wolfert Brederode oder Nils Petter Molvær auf. In jüngerer Zeit arbeitet er mit seiner eigenen Gruppe Turanga. Daneben ist er seit 2008 auch als Bassist der Tord Gustavsen Band auf Tournee.

Was die aktuelle CD betrifft, erschien Eilertsen die Idee besonders reizvoll, mit Thomas T. Dahl und Harmen Fraanje Gitarre und Piano zu kombinieren und das Klangspektrum mit Hilfe Rob Warings um Marimba und Vibraphon zu erweitern. Den Tenor- und Sopransaxophonisten Trygve Seim lässt er auf Eirik Hegdal an Sopran- und Baritonsaxophon sowie Klarinette und Bassklarinette treffen, und als rhythmischen Kooperationspartner setzt Eilertsen auf den finnischen Drummer Olavi Louhivuori, mit dem er zusammen mit Dahl auch im Skydive Trio spielt. 2014 wurde das Projekt beim norwegischen Vossa Jazz Festival aus der Taufe gehoben und anschließend auf einer Tournee verfeinert, ehe schließlich ECM-Chef Manfred Eicher im Osloer Rainbow Studio die zehn Eigenkompositionen (acht von Eilertsen, eine von Pianist Fraanje und eine von Hegdal/Waring/Eilertsen) produzierte. Starke Melodien und kreative Soundideen, aber auch lässige Grooves sind wichtige Bausteine der Kompositionskunst von Mats Eilertsen, der den virtuosen Könnern die Stücke auf den Leib geschrieben hat, mit ausreichend Raum zur solistischen Entfaltung. Für die CD-Einspielung wurden die Soli im Vergleich zu den Live-Konzerten natürlich kürzer gehalten, was das musikalische Vergnügen allerdings in keiner Weise schmälert. Fazit: Das ist makellose, vollendete Jazzkunst!

Mats Eilertsen: „Rubicon“, ist auf ECM erschienen.

 

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