Nils Landgren Funk Unit rocken den Kurpark

Nils Landgren Funk Unit rocken den Kurpark

Wenn Nils Landgren auf dem Programm steht, gibt es eines sicher nicht – Langeweile. Eingefleischte Fans von „Mr. Redhorn“, dem Mann mit der roten Posaune, wissen: Wenn einer es schafft, die Massen mit seiner Musik zu bewegen, dann er. Und sie kamen zahlreich. Knapp 1.800 Gäste hatten Karten für das Open-Air-Konzert im Rahmen des Rheingau-Musik-Festivals erstanden – nur sehr wenige Plätze zwischen Kurhaus und Kurparkweiher blieben am Abend des 6. August unbesetzt. Und das bei bestem spätsommerlichem Wetter und ohne eine einzige Wolke am Himmel.

Die Nils Landgren Funk Unit, das sind – neben Mr. Redhorn – Jonas Wall am Saxophon, Petter Bergender an den Keyboards, Andy Pfeiler an der Gitarre, Bassist Magnum Coltrane Price und Robert Ikiz an den Drums. Schon seit 1994 gibt es die Funk Unit, doch nur der Mann am Bass ist neben Nils Landgren selbst noch Gründungsmitglied. Schwamm drüber, die sechs Musiker geben von der ersten Nummer an richtig Gas. „Ich heiße Nils und ich spiele Posaune!“ sagt der sympathische Wahlberliner mit schwedischen Wurzeln – und schon geht es ordentlich zur Sache. Die Songs sind Solo-gespickt, dauern fast alle länger als zehn Minuten und geben jedem der Künstler genügend Raum, seine Fähigkeiten unter Beweis zu stellen. Nach dem Funk-Brett „Funk4Life“, einem Song, den Landgren seiner gleichnamigen Initiative für Kinder in südafrikanischen Slums gewidmet hat, kommt mit Sängerin Lira der Special Guest des Abends auf die Bühne. Mit ihrer positiven Ausstrahlung, tollen Stimme und dem Funk im Blut, erobert sie das Wiesbadener Publikum im Sturm. Zusammen mit der Funk Unit performt sie ihre eigenen Songs. „Getting In Action“ ist feinster Acid Jazz à la Brand New Heavies, „You & I“ eine wunderschöne Ballade, bei der die Band beweist, dass sie locker auch die leisen Töne beherrschen. Und auch Songs in ihrer Muttersprache Zulu hat die südafrikanische Sängerin im Repertoire. Kurz vor Ende des ersten Sets drehen die Musiker mit der Nummer „Tracey“ noch einmal richtig auf – und schaffen es damit tatsächlich, das Publikum vor der Pause zum Tanzen zu bringen. Temperatur und Stimmung steigen, das Publikum will mehr. Wird die Spannung bis über die Pause halten?

Nicht ganz. Als Nils Landgren und seine Mitstreiter kurze Zeit später mit einem knappen „Willkommen zurück!“ erneut die Bühne betreten, haben alle im Publikum wieder brav ihren Platz eingenommen. Doch kaum zwei Songs später wird wieder mitgeklatscht und getanzt, bis der Kies splittert. Durch die Dunkelheit des späten Abends kommen die Lichteffekte immer besser zur Geltung – und auch Landgren läuft zur Hochform auf. Sein Jackett hatte er schon in der ersten Konzerthälfte abgelegt, jetzt werden auch die Improvisationen immer ausschweifender, druckvoller und bunter – keine Frage: Landgrens Musik ist so farbenfroh und vielseitig wie das knallige Hemd, das er an diesem Abend trägt.

Im Funk geht ohne eingespielte Rhythmusgruppe gar nichts. Robert Ikiz, der als kongenialer Drummer schon Konzerte und Alben von Jacob Karlzon unvergesslich machte, findet in Magnum Coltrane Price – der übrigens auch stimmlich voll überzeugen kann – am Bass einen perfekten Counterpart für derbe Grooves.

Aber auch Wall, Bergender und Pfeiler sind Meister ihres Fachs und komplettieren die Sounds nicht nur mit richtig guten Improvisationen, sondern auch durch Gesang. Auch Lira ist wieder auf die Bühne zurückgekehrt. Mit ihrer charmanten, temperamentvollen Art und wirklich tollen Stimme lässt sie auch Landgren manches Mal ziemlich alt am Mikrofon aussehen. Ihre Songs sind eingängig, fast alle tanzbar und radiokompatibel, echte Ohrwürmer mit positiver Botschaft.

Der Abend vergeht wie im Fluge. Apropos: Vom Fluglärm, der die Konzerte des Rheingau-Musik-Festivals angeblich überschatten sollte, ist an diesem Abend nichts zu hören. Flugzeuge sieht man zwar – doch was sind schon vier Triebwerke angesichts dieses Funk-Infernos auf der Bühne? Kurz vor Schluss singt das ganze Publikum minutenlang den Refrain von „Ain’t Nobody Messin‘ With My Baby“ mit und klatscht die Funk Unit anschließend zu zwei wunderschönen Zugaben auf die Bühne. Die erste „Stay In My Company“ ist wieder ein Song von Lira, wieder eine Ballade – und wieder ein echter Hammer. Nur Landgren und Pfeiler begleiten die Dame am Mikrofon – Gänsehaut-Feeling pur. Die zweite ist „Houseparty“, das trotz vieler Cover nichts von seinem Reiz – und Groove – verloren hat. Ein Konzert wie aus dem Bilderbuch, well done!

Schön, wer an diesem Abend mit dabei gewesen ist – schade für alle, die nicht in den Genuss dieser großartigen Talente in solch schönem Ambiente kamen, denn für Sängerin Lira war es das erste Mal im Rhein-Main-Gebiet. Hoffentlich aber nicht das Letzte – wir bleiben gespannt.

 

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