Knaller zum Jahresstart: „Unstatic“ von Manu Katché & Friends

Knaller zum Jahresstart: „Unstatic“ von Manu Katché & Friends

Ein kurzer Wirbel über die Tom-Toms, die Bassdrum kickt, die Splash-Cymbals scheppern. Und schon ist man mittendrin, im neuen Album „Unstatic“ von Ausnahmedrummer Manu Katché. Ich verzichte an dieser Stelle bewusst auf die Aufzählung der großen Popsongs, die der Wahlpariser in den 1980er und 1990er Jahren mit seinen Grooves veredelte und konzentriere mich auf dieses neue Werk, das betitelt ist mit einem Wort, dass es so im Englischen gar nicht gibt. „Jeder einzelne Zuhörer ist eingeladen, sich darauf einen Reim zu machen, was der Titel im Kontext mit meiner Musik bedeuten könnte“ sagt der sympathische Endfünfziger.

Wagen wir also einen Versuch. Schon beim ersten Anspielen von „Unstatic“ fällt die Bandbreite der Arrangements auf: Die Rumba „Introducción“ ist tief von lateinamerikanischen Einflüssen geprägt, „Unstatic“, Titeltrack des elf Songs zählenden Longplayers, ist ein großartig groovender Shuffle am Rande zum Funk und durchtränkt mit Jim Watsons E-Piano Improvisationen. Darauf folgt die melodisch-rhythmische Downtempo-Nummer „Flame&Co.“ mit wabernden Keyboard-Akkorden und Tore Brunbergs druckvollem Saxofon. Soli sind keine Ausnahme auf „Unstatic“ – sondern die Regel. Auch die anderen Kontributoren, darunter Ellen Andrea Wang am Bass, Luca Aquino an der Trompete und Nils Landgren an der Posaune machen ihre Sache gut. Und funktionieren sowohl im musikalischen „Formationsflug“ als auch einzeln.

Was Manu Katché so sympathisch macht? Er drängt sich nie unangenehm in den Vordergrund. Und hat im Laufe seiner 35-jährigen Musikkarriere die perfekte Balance zwischen feinfühligen Grooves und kraftvollen Rhythmen, zwischen Taktgeber und Solist, zwischen Bandleader und Teamplaner gefunden. Und: Er ist Primus inter Pares in einer wirklich bemerkenswerten Gruppe talentierter wie erfahrener Musiker.

Dass er ganz nebenbei noch ein begnadeter Komponist und Arrangeur ist, hat er schon mit früheren Produktionen eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Mit „Unstatic“ zeigt er einmal mehr, zu was er fähig ist – und zu welchen Höhenflügen er seine Mitmusiker inspirieren kann.

Vielleicht ist es ja genau diese Erkenntnis, die hinter dem Namen des Albums steht: Die Suche nach Inspiration, nach Perfektion – und ganz sicher auch nach großem Spaß an der Musik. Und die kann auch der Hörer problemlos erfühlen. Kostprobe gefällig? Dann empfehle ich das zurückgenommen-stimmungsvolle „Daze Days“, bei dem vor allem die Bläser ihre Stärken voll ausspielen können.

„Unstatic“ von Manu Katché, erschienen bei Anteprima Productions (Vertrieb: Broken Silence).

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