Lucinda Williams: Ein Album wie ein Roadtrip

Lucinda Williams: Ein Album wie ein Roadtrip

Glamour, nein danke! Damit hat Lucinda Williams nun gar nichts am Hut. Die 63-Jährige ist keine liebliche Songwriterin und Sängerin. Ihr Gesang ist rau, in ihren Texten begibt sie sich auch an die dunklen Orte, dahin wo Trauer und Schmerz liegen. Keine Spur von Mainstream und glattgebügelten Nashville Stars. Auf ihrem neuen Doppelalbum „The Ghosts Of Highway 20“ macht Lucinda Williams das, was sie am besten kann: rauen und unverblümten Country-Rock mit tief gehenden Texten.

Gleichzeitig nimmt sie den Hörer mit auf den Interstate 20. Kurz gesagt, es geht dabei um das Wesen der Liebe im Angesicht des Todes. Es ist das zwölfte Album in ihrer über 40-jährigen Karriere und es ist knapp 80 Minuten lang. Zeit genug also eine emotionale Tour de Force durch dunkle Gefühlswelten zu realisieren. Gänsehaut-Potential inklusive. Auf diesem Roadtrip durch die Südstaaten geht es um Erlebnisse und Erinnerungen während ihrer Reisen auf der über 2400 Kilometer langen amerikanischen Interstate. Hier wurde sie geboren, hier wuchs sie auf. Das asphaltierte Band führt durch die Bundesstaaten Alabama, Georgia, Louisiana, Mississippi, Texas und South Carolina. Mit allem was dazu gehört. Mit schönen und weniger schönen Erfahrungen, mit schlimmen Begegnungen und heiteren Erlebnissen. Der Hörer erfährt viel über Land und Leute. Nicht von ungefähr haben sich Schriftsteller wie William Faulkner oder Carson McCullers dem Südstaaten-Phänomen in Romanen angenommen.

Um ihre neuen Songs adäquat zu inszenieren, ging sie mit Greg Leisz und Bill Frisell ins Studio. Der famose Lap Steel Gitarrist Leisz und der stets verblüffende Frisell weben kunstvolle Klangtexturen um Williams Gesang. Daneben greift sie auf ihre bewährte Rhythmusgruppe, bestehend aus Butch Norton am Schlagzeug und David Sutton am Bass, zurück.

Das ist mitunter sperrige Kost. Man muss sich herantasten, einhören in die Welt der Lucinda Williams. Tut man dies, öffnet sich eine spröde Szenerie mit staubigen Straßen, Trucks, verfallenen Tankstellen, Hinterhöfen und Parkplätzen, die die ganze Monotonie der Highways vor Augen führt.

Das ist oft Tristesse pur. Hinzu kommen die bitteren autobiografischen Momente, der Tod der Eltern, gebrochene Herzen, viel Enttäuschung und Trauer. Nicht selten erinnern die Songs – darunter einer von Bruce Springsteen und einer von Woody Guthrie – an einen Soundtrack.

Die 14 Songs haben es in sich. Sie haben Potential und versprühen schonungslose Emotionalität und sie sind immer nah am Leben. Ein außergewöhnlich gutes Album!

Lucinda Williams: „The Ghosts Of Highway 20“ ist erschienen auf Thirty Tigers im Vertrieb von Alive

 

 

 

 

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