Ein Stimme mit Seele: Rigmor Gustafsson im Portrait

Ein Stimme mit Seele: Rigmor Gustafsson im Portrait

„Sie hat ihre Seele in ihrer Stimme“, hat Nils Landgren, ihr Entdecker, über die schwedische Sängerin Rigmor Gustafsson einmal gesagt. Und da ist was Wahres dran. Geboren und aufgewachsen ist sie auf einem kleinen Bauernhof im Värmland, im Herzen Schwedens. Mit neun Jahren begann sie, Gitarre zu spielen und entdeckte schon früh den Jazz für sich. Bald wurde ihr klar, dass sie diese Leidenschaft zu ihrem Beruf machen wird.

In Deutschland zog ihr gefeierter Auftritt beim JazzFest Berlin 2001 eine Einladung zum JazzBaltica Festival 2002 nach sich, auf dem sie sich einem größeren deutschen Publikum als „ein neuer Stern am Gesangshimmel“ (Jazzthetik) präsentierte. Im selben Jahr war sie als Gast auf Nils Landgrens Erfolgsalbum Sentimental Journey (auf dem ACT-Label) zu hören und kürzlich stellte sie mit „When You Make Me Smile“ endgültig unter Beweis, dass sie eine gereifte Interpretin geworden ist, eine Sängerin mit einer klaren, schönen, sicheren Stimme. Bestechend präzise und kraftvoll mit lautmalerischen Gesangslinien. Und sie kann alles singen. Ob Jazz-Standards, Blues oder Soul immer klingt sie authentisch und natürlich. Mitunter flirtet sie auch mit Pop und Klassik.

Nach ihrer Ausbildung an der Royal Academy of Music in Stockholm machte sie sich sehr rasch in der schwedischen Szene als ausgezeichnete Vokalistin einen Namen. Sie arbeitete mit verschiedenen Big-Bands, leitete kleinere Jazzformationen, trat im schwedischen Fernsehen auf und machte zahlreiche Radioeinspielungen.

1993 zog es sie nach New York, um an der New School und am Mannes College of Music bei Sheila Jordan, Clark Terry, Richie Beirach, Phil Markovitz, Reggie Workman und Joe Chambers zu studieren. Sie trat mit Fred Hersch und Ted Rosenthal in den einschlägigen New Yorker Clubs auf, machte Aufnahmen mit Randy Brecker, Bob Mintzer und Dick Oatts und unterrichte bald selbst am Mannes College of Music. Sie gründete ihr erstes Quintett und tourte quer durch Europa.

1996 kehrte Rigmor nach Stockholm zurück und erhielt einen Lehrauftrag als Gesangsdozentin an der Royal Academy of Music. Sie komponiert und arrangiert für diverse Jazzensembles und widmet sich daneben vor allem ihren eigenen Projekten mit ihrem schwedischen Quintett.

Und neue Alben hat sie auch aufgenommen. „Close To You“ beispielsweise ist eine Hommage an Dionne Warwick und zeigt, dass Rigmor Gustafsson diesen Perlen der Popmusik völlig neue rhythmische, klangliche und lyrische Reize entlocken kann. Selten hat man Popsongs in einem solch schlüssigen Jazzumfeld erlebt.

Opulenter orchestraler Jazz verbunden mit wohlklingendem Gesang – diese Kombination prägt auch das sechste Soloalbum der schwedischen Vokalistin, erschienen beim deutschen Label ACT. Zwölf Songs, die die 49-Jährige mit ihren Textern Ollie Olson und Tomas Bäcklund selbst geschrieben hat, sowie der von Marvin Hamlish stammende und von Carly Simon in den 1970ern interpretierte James-Bond-Klassiker „Nobody Does It Better“ machen die Scheibe zu einem wahren Retro-Genuss. Gemeinsam mit ihrem Trio – Jonas Östholm am Piano, Martin Höper am Bass und Jonas Holgersson am Schlagzeug – sieben Gastmusikern sowie der rund 30-köpfigen Dalasinfoniettan, einem der führenden schwedischen Orchester, hat Gustafsson ein starkes Album aufgenommen: Darauf schwelgt sie in den 50er Jahren, bietet Swing vom Feinsten wie in „Blind As A Bat“, Burt-Bacharach-Sound („If Dreams Are Made Of Sand“), Bossa Nova wie im Titelsong oder auch wunderschöne Balladen wie etwa „Stay, Stay, Valentines Day“. Als special guest hat sie sich Eagle-Eye Cherry, den in Schweden aufgewachsenen Sohn des Trompeters Don Cherry, eingeladen. Im Duett mit ihm singt sie den eindrucksvollen Song „Let It Go“.

Rigmor Gustafsson with Dalasinfoniettan: „When You Make Me Smile“, erschienen bei ACT-Music.

Rigmor Gustafsson auf TourÜbrigens macht Rigmor Gustafsson am 15. Januar auf ihrer Deutschlandtournee in Mainz im dortigen Frankfurter Hof Station. Weitere Auftritte folgen in Berlin (17.1.), Dresden (18.1.), Bonn (20.1.), Stuttgart (21.1.), München (23.1.) und Ingolstadt 24.1.)

Foto: ACT / Magnus Selander

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