Mehr als die Summe seiner Teile: „Keepin‘ The Spirit“

Mehr als die Summe seiner Teile: „Keepin‘ The Spirit“

Meine Begegnungen mit Andreas Hertel sind und waren immer geprägt von großem Respekt. Ob per Mail, am Telefon oder im persönlichen Gespräch. Stets empfinde ich Ehrfurcht vor dem Mann, der sich und sein Leben gänzlich der Musik verschrieben hat. Der mit viel Fleiß und noch mehr Hingabe ständig nach neuen Wegen sucht, seinen Gedanken und Gefühlen musikalisch Ausdruck zu verleihen – und dabei immer wieder neue Inspirationen findet, um die eigenen Grenzen zu überwinden.

Nun stellt der umtriebige Wiesbadener Pianist, Komponist und Bandleader sein neues „Baby“ vor: Der Name „Keepin‘ The Spirit“. Ende März waren Andreas Hertel, Lindy Huppertsberg am Bass und Jens Biehl an den Drums dafür im Studio. Schon Ende vergangenen Jahres offenbarte mir der sympathische Jazzer im wegotmusic.de-Interview seine Vorfreude auf das bevorstehende Projekt. Typisch für Andreas Hertel: Die Eigenkompositionen des Longplayers überwiegen. Acht von zwölf Songs stammen aus seiner Feder, Qualität und Emotionalität der Arrangements sprechen für sich. Dabei wandert Hertel gekonnt zwischen wunderschönen Harmonien, eingängigen Melodien und behutsam eingestreuten Improvisationen – aller Beteiligten. Kein Instrument dominiert das andere, niemand steht unangenehm im Vordergrund. Vielmehr zieht das Andreas Hertel Trio seine Energie aus der gleichberechtigten Koexistenz, aus der Symbiose dreier hochtalentierter und im Wortsinne bestens auf einander eingespielter Musiker, deren ungebremste Spielfreude in jeder Note fühlbar wird.

Doch sind noch zwei weitere Musiker an „Keepin‘ The Spirit“ beteiligt. Wobei „Musiker“ fast schon ein wenig untertrieben ist, handelt es sich dabei doch um die 84-jährige Jazzlegende Dusko Goykovich, „Elder Statesman“ der Jazztrompete, und Tony Lakatos am Saxofon, den meisten bekannt aus der Big-Band des Hessischen Rundfunks. Beide ergänzen das Trio nicht einfach nur: Die Songs klingen, als würden die fünf Musiker schon seit vielen Jahren zusammenspielen. Vielfach sind die Songs gespickt mit Solo-Einlagen aller Beteiligten. Und hier brillieren nicht nur die beiden Blasinstrumente, auch Lindy Huppertsberg sorgt am Kontrabass für tolle Akzente und übernimmt in „Blues For Lindy“ sogar die Melodie, während Jens Biehl den präzisen und souveränen Taktgeber gibt, der auch durch zahlreiche Soli überzeugen kann. Und Andreas Hertel beweist einmal mehr, dass er Komponist und Frontmann zugleich sein kann und sowohl die schnellen als auch die langsamen Stücke mit passenden Harmonien und perlenden Improvisationen zu veredeln weiß.

Für mich hält „Keepin’ The Spirit“ den Geist des zeitlos swingenden Jazz der Blue Note-Ära lebendig. Ich möchte mit meinen Stücken die gleiche Leichtigkeit und Spielfreude vermitteln, wie sie für zahlreiche Jazzmusiker der 1950er und 1960er Jahre typisch war: Swingender, gefühlvoller Jazz, der einen wie in einem Live-Konzert mitnimmt.

Und das lässt sich besonders gut an Songs wie „Avanti“ oder „Uh Huh“, aber auch an der wirklich gelungenen Interpretation von Oscar Petersons „Blues for H.G.“ hören. Doch ist auch Zeit für leise Töne, so zum Beispiel für die gefühlvolle Ballade „All My Life“, die ebenfalls aus der Feder von Andreas Hertel stammt.

Obwohl die Arbeiten an „Keepin‘ The Spirit“ schon lange abgeschlossen sind, schwärmt der Wiesbadener Jazzer noch immer von den Aufnahmen: „Es war eine Riesen-Ehre, dass Jazzlegenden wie Tony und Dusko meine eigenen Stücke spielen – der absolute Wahnsinn“, so Hertel. „Keepin‘ The Spirit“ ist ein Geschenk, für das ich sehr dankbar bin“.  Dem kann ich mich nur anschließen!

„Keepin‘ The Spirit“ von Andreas Hertel Trio feat. Dusko Goykovich / Tony Lakatos, erschienen bei Laika Records.

Andreas Hertel Trio on TourDas CD-Release-Konzert findet am 13. Oktober im Jazzkeller Frankfurt statt. Am 16. Oktober tritt das Trio im Rahmen der Reihe „Jazz in den Ministergärten“ in der Hessischen Landesvertretung in Berlin auf. Weitere Konzerte auf der Seite des Künstlers.

 

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