Daniel Hope und die Suche nach dem Hollywood-Sound

Daniel Hope und die Suche nach dem Hollywood-Sound

Filmmusik wird in aller Regel unterschätzt. Für Liebhaber der klassischen Musik gilt sie meist als reine Gebrauchsmusik. Es gibt zwar auch heute großartige Filmkomponisten, aber sie reichen nicht an Korngold, Miklós Rózsa, John Williams, Max Steiner oder Alfred Newman heran.

Der gefeierte Stargeiger Daniel Hope will dies ändern, indem er dem Publikum diese Schätze näherbringt. Auf seinem großartigen Album „Escape To Paradise“, das er mit dem Quintett des Deutschen Kammerorchesters Berlin und dem Royal Stockholm Philharmonic Orchestra eingespielt hat begibt sich Hope auf Spurensuche jener Musiker, denen die Flucht in die USA vor den Nazis gelang.
 Es geht um Künstlerschicksale in der Traumfabrik Hollywood. Sie waren in die USA geflohen und fanden in den Filmstudios eine Möglichkeit, Geld zu verdienen – und brachten einen neuen Sound nach Hollywood. Viele haben diese Musik geschrieben, um zu überleben.

Hope findet auf seinem Album einen verblüffenden Schlüssel zur Filmmusik. Sie ist Echo der europäischen Exil-Komponisten. Mit Musik von Korngold bis zu Filmklassikern wie „Schindlers Liste“ und „Cinema Paradiso“, featuring Sting und Max Raabe. Keimzelle ist für Hope das Violinkonzert von Korngold, der 1934 nach Hollywood emigrierte und zwei Oscars für seine Filmmusiken erhielt. Sein leidenschaftlich träumerisches Violinkonzert steht stellvertretend für alle Hoffnungen und Sehnsüchte, die das Kino seit jeher bedient. Das europäischen Echo der 1930er-Jahre zeichnet er nach, indem er sich den Berliner und Wiener Shows und Revues annähert: Mit Stings eigener Version des Hanns Eisler Liedes „An den kleinen Radioapparat“, „The Secret Marriage“ und mit Max Raabe mit „Speak Low“ von Kurt Weill.

Vertreten ist auch Komponist John Williams, der Sternenkrieger, der Haijäger, der Komponist des Saurier-Chorals und zwar mit dem bewegenden Soundtrack aus Steven Spielbergs Film „Schindlers Liste“. Und Miklósz Rózsas Liebesthemen aus „Ben Hur“ und „El Cid“ durften in dem Zusammenhang auch nicht fehlen.

Hope, 1974 in Südafrika geboren war einst Meisterschüler von Yehudi Menuhin. Heute zählt er zu den Stars der Szene. Seine Spielweise erweist sich als extrem raffiniert, virtuos und musikantisch. Seine kostbare Guarneri del Gesù Ex Lipinski von 1742 teilte die Bühne schon mit Paganini, Liszt und Chopin. Seit nunmehr 25 Jahren auf den Bühnen der Welt unterwegs zählt der 41-Jährige zu den profiliertesten Geigern der Gegenwart.

Anders als Korngold und Rózsa arbeitete Kurt Weill nicht für den Film, sondern für die Bühne. Am Broadway schrieb er Hits wie „Lady in the Dark“ oder „One Touch of Venus“ – daraus auf dem Album der Titel „Speak Low“ – , die Hollywood-Verfilmungen ließen dann nicht lange auf sich warten. Auch Musik von Nicht-Emigranten gibt es auf dem Album, etwa Ennio Morricones „Love Theme“ aus dem Film „Nuevo Cinema Paradiso“, in dem es bekanntlich um eine Realitätsflucht in die Scheinwelt Kino geht. Mit sehnsuchtsvollen Tönen von Werner Richard Heymanns „Irgendwo auf der Welt“ und Herman Hupfelds „As Times Go By“ aus „Casablanca“, dem wohl schönsten filmischen Denkmal für Menschen auf der Flucht, endet dieses äußerst hörenswerte Album. Übrigens: Für sein musikalisches Engagement wird Daniel Hope am 2. Oktober 2015 mit dem Europäischen Kulturpreis für Musik 2015 in der Dresdner Frauenkirche geehrt.

Daniel Hope: „Escape To Paradise“ – The Hollywood Album ist bei der Deutschen Grammophon erschienen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.