„Memento“: Feinsinnige musikalische Zwiegespräche

„Memento“: Feinsinnige musikalische Zwiegespräche

Obwohl ihre Zusammenarbeit viele Jahre zurückreicht, ist „Memento“ – ein Album von lyrischer und feinsinniger Musizierkunst – die erste Duoaufnahme von Marilyn Crispell und Anders Jormin. Bei ECM war die amerikanische Pianistin Crispell zuvor auf Jormins Zyklus sakraler Lieder „In Winds, In Light“ (2004) zu hören, und sie hat den schwedischen Bassisten als wichtigen Einfluss auf ihr eigenes musikalisches Denken benannt.

„Memento“ beginnt mit einer kraftvollen Folge raumgreifender Duo-Improvisationen, bevor das Album zu Kompositionen der beiden Musiker übergeht. „Three Shades of a House“ ist ein Stück, das Jormin bereits in seiner Arbeit mit Bobo Stenson vorgestellt hat, hier gespielt in den Varianten „Morning“ und „Evening“ – die erste eine kristallklare Erkundung des Themas mit Crispell im Vordergrund, die zweite eine Meditation für dunkel timbrierten Bass. Crispells „The Beach at Newquay“ entwirft dann ein Klangbild der Küste Cornwalls.

Klavier und Kontrabass, das sind die beiden Instrumente, um die es hier geht. Jeder Ton hat Bedeutung, ist sorgsam gesetzt. Berührende Momente entstehen. Der feinfühlige Umgang miteinander prägt auch die übrigen Duette „Contemplation In D“, „Dialogue“ und „The Dark Light“. Den Abschluss des Albums bildet „Dragonfly“, dem Andenken an Gary Peacock gewidmet. Crispell und der im September 2020 verstorbene Bassist haben gemeinsam einige hervorragende Aufnahmen gemacht, darunter die Trio-Alben „Nothing ever was, anyway“ und „Amaryllis“ sowie das Duo-Album „Azure“. Fazit: Das alles ist in jeder Hinsicht faszinierend.

Marilyn Crispell/Anders Jormin: „Memento“ ist auf dem Label ECM erschienen.

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