Akkordeon: Instrument des Jahres 2026

Akkordeon: Instrument des Jahres 2026

Das Akkordeon ist das „Instrument des Jahres“ 2026. Der Name ist Programm: Es spielt nicht nur Einzeltöne, sondern ganze Akkorde, die beim Öffnen und Schließen des Balgs durch schwingende Metallzungen entstehen und den typischen, lebendigen Klang liefern. Erst knapp 200 Jahre alt, fand es dank seiner Robustheit und Portabilität schnell Eingang in Tanzsäle und auf Volksfesten. Heute ist das Akkordeon Teil vieler Musikrichtungen. Es hat sich als vielseitiges Instrument etabliert – von Volksmusik über Jazz bis hin zur zeitgenössischen Musik. Es besitzt eine unglaubliche Bandbreite an Tönen. 

Ob als Soloinstrument, in der Kammermusik oder begleitet von Orchestern, aber auch im Jazz, im Tango oder in der Folklore findet es Verwendung. An vielen Musikschulen wird es unterrichtet, in Vereinen treffen sich Menschen zum gemeinsamen Musizieren in Akkordeon-Orchestern, an Musikhochschulen werden seit Jahrzehnten Instrumentallehrkräfte und konzertierende Künstlerinnen und Künstler ausgebildet.

Eine enorme Bandbreite an Tönen

Das Akkordeon ist ein Handbalginstrument, bei dem beim Öffnen und Schließen Luft durch metallene Zungen strömt, damit Töne erzeugt werden können. Auf der rechten Seite befindet sich eine Piano- oder eine Knopftastatur, auf der linken Seite dagegen sind es ausschließlich Knöpfe. Beim traditionellen Standardbassinstrument gibt es Bass- und Akkordknöpfe, beim Einzeltonakkordeon hat man, wie auf der rechten Seite, viele Töne über mehrere Oktaven. So kann ein Spieler gleichzeitig Melodie, Harmonie und Begleitung erzeugen. Das Akkordion ist ein wahres Chamäleon: von Kammermusik, Volks- und Weltmusik, Tango und Musette, über Jazz und Popularmusik bis hin zu zeitgenössischen und experimentellen Kompositionen ist es einsetzbar. So bietet das Akkordeon nicht nur einem Einzelnen große klangliche Möglichkeiten, sondern ist auch ein fester Bestandteil von Ensembles, Orchestern und vielfältigen musikalischen Projekten. So modern das Akkordeon wirkt, so weit reichen seine klanglichen Wurzeln zurück. Das Prinzip der frei schwingenden Metallzunge, das seinen Ton erzeugt, findet sich bereits vor über 2000 Jahren in China – im sogenannten Sheng, einem traditionellen Mundorgelinstrument. 

Erstes Patent durch Cyrill Demian 1829

Als Geburtsstunde des Akkordeons gilt das Jahr 1829, als der Wiener Instrumentenbauer Cyrill Demian ein Instrument mit dem Namen „Accordion“ patentieren ließ. Es war klein, transportabel – und klanglich revolutionär. Wir haben es also mit einem relativ jungen Instrument zu tun, das sich dank seiner Vielseitigkeit rasend schnell verbreitet hat. Im 19. und 20. Jahrhundert etablierte es sich in populären Musikkulturen auf der ganzen Welt – man denke beispielsweise an argentinischen Tango, Cumbia, Cajun aus Louisiana, Balkanmusik oder französischen Bal-Musette. Gleichzeitig muss es sich vor sogenannter Hochkultur nicht verstecken. Inzwischen hat das Akkordeon einen festen Platz in der Weltmusik und auch im Jazz. Man denke nur an Musiker wie Vincent Peirani oder Richard Galliano.

Das Akkordeon ist aber auch in der klassischen Musik zu Hause. Ob Scarlatti-Sonaten, Bachs komplexe Polyphonien, adaptierte Mozart-Klavieronzerte oder Schostakowitsch-Walzer – das Akkordeon wird ihnen nicht nur gerecht, es gibt ihnen mitunter auch eine neue Qualität. Kein Wunder, dass die Schweizer das Akkordeon auch als Handorgel kennen. Wer Lust hat, Akkordeon zu spielen, kann das solo tun und sich selbst begleiten. Oder sich den knapp 100.000 Menschen in Deutschland anschließen, die in einem Akkordeonorchester spielen.

Führender deutscher Akkordeonbauer Hohner

Auch der bekannte deutsche Akkordeonhersteller Hohner ist bemüht, dem Instrument ein neues Image zu verpassen. Das Unternehmen bedient von Folk bis Heavy Metal sämtliche Genres. Hohner ist nach eigenen Angaben Marktführer im Akkordeonbau. Für jeden Markt stellt das Unternehmen spezielle Instrumente her. Die Anfängerinstrumente werden in China gebaut. Im Baden-Württembergischen Trossingen stellt Hohner sein Flaggschiff, die „Gola“ her. Es ist benannt nach einem italienischen Akkordeonbauer. Da werden sogar Goldteile verbaut. In seinen Produktionsstätten im italienischen Castelfidardo stellt Hohner Instrumente für den europäischen und amerikanischen Markt her. Castelfidardo ist seit dem 19. Jahrhundert ein Zentrum für den Akkordeonbau und gilt deshalb als „Stadt des Akkordeons“.

Das „Instrument des Jahres“ gibt es seit 2008. 2025 war es die Stimme, 2024 die Tuba, 2023 die Mandoline, 2022 das Drumset sowie 2021 die Orgel.

Bilder: freepik.com, Astor Piazzolla

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