Rufus Wainwright lässt Kurt Weill hochleben
Rufus Wainwright lässt Kurt Weill hochleben
Einmal mehr ein neues Album von Tausendsassa Rufus Wainwright. „I’m a Stranger Here Myself – Wainwright Does Weill“ heißt es und es ist ein Tributalbum der Extraklasse geworden. Ein Werk das sich mit dem reichen und komplexen Liederbuch-Material des deutsch-amerikanischen Komponisten Kurt Weill befasst. Und in der Tat: Wainwright kann Weill. Warum? Sein theatralisches Flair und seine stimmliche Kraft verleiht Weills Kompositionen, die für die Verschmelzung von Klassik-, Kabarett- und Jazzelementen stehen, eine ganz vortreffliche Interpretation.
Uraufgeführt im Mai 2023 im Café Carlyle in New York, war Wainwrights erste ausführliche Auseinandersetzung mit Weills Repertoire. Dabei reicht seine Faszination für dessen Musik Jahrzehnte zurück. Mit dem Pacific Jazz Orchestra unter der Leitung von Chris Walden hat er die Orchesterpalette für seine Annäherung an Kurt Weill nochmal erweitert.
Was Rufus Wainwright mit dem von ihm verehrten Kurt Weill verbindet ist der Mut, Grenzen zu überschreiten und nach Lust und Laune U- und E-Musik zu vermischen. In Weills Riesenwerk verdichten sich europäische Kunstlied-Tradition und Tin Pan Alley, Spätromantik und Avantgarde, Oper und Pop, Jazz und Musical, Chanson und Tango zu einer tragikomischen Serenade des frühen 20. Jahrhunderts. Und Wainwright legt sich mit allem, was er hat, in diese Live-Darbietungen. „September Song“ und „It Never Was You“ nehmen einem den Atem. Insgesamt gibt es 16 Songs zu hören. Rufus Wainwright verlässt sich ganz und gar auf die Originalpartituren, die ihn in jedem einzelnen Stück glänzen lassen – nicht nur mit makelloser Intonation und Phrasierung, sondern auch mit der Nonchalance eines großen Showmans. Wainwright ist es wichtig, den wahren Kurt Weill zurückzubringen und allen zu zeigen, wie man ‚Mack The Knife‘ singt.
Positives Fazit: So, wie auf „Wainwright Does Weill“, hat man die Musik von Kurt Weill auf jeden Fall noch nie gehört. Ein Glücksfall!
Rufus Wainwright: „I’m a Stranger Here Myself – Wainwright Does Weill“ ist auf dem Label Nonesuch erschienen.
