Schöner Schein: „Shine“ von Jacob Karlzon 3

Schöner Schein: „Shine“ von Jacob Karlzon 3

Jacob Karlzon ist dafür bekannt, zu experimentieren. Sein Musikstil: Schon immer irgendwo zwischen den Welten angesiedelt. Will heißen: Zwischen Jazz, Pop, Rock oder elektronischer Musik. Zuletzt hatte er zusammen mit Viktoria Tolstoy den wirklich großartigen Longplayer „A Moment of Now“ aufgenommen. Solo-Piano und Gesang. Tolle Cover und schöne Eigenkompositionen. Nun legt der schwedische Pianist und Produzent mit seinem Trio Jacob Karlzon 3 das neue Album „Shine“ vor. Zeit, hineinzuhören.

Und wie klingt es? Nun – höchst unterschiedlich. Balladen reihen sich an Uptempo-Stücke, Rhythmus-betonte Songs an sphärische Arrangements. „Metropolis“ beispielsweise erinnert ein wenig an den Sound des legendären und für mich bis dato unerreichten Esbjörn Svensson Trios: Nach einem eher langsamen Start spielen sich die Band – und insbesondere Karlzon selbst –  in Ekstase. Breakbeats aus dem Drumcomputer gehen mit dem Rhythmus von Robert Mehmet Ikiz an den Drums eine rastlos-groovende Symbiose ein. Dazu ein paar Flächen aus dem Synth – perfekt. Trotz zahlreicher improvisativer Ausflüge kehrt Karlzon immer wieder zum Hauptthema des Songs zurück. Dabei merkt man, dass Karlzon zu den wenigen Pianisten gehört, denen die Melodien und Tonfolgen feinperlend, präzise und mit einer beeindruckenden Leichtigkeit von der Hand gehen. Bei „Inner Hills“ ist dann wieder entspannte Gelassenheit angesagt: Der Song überzeugt mit puristischem Trio-Sound. Die Töne hallen nach, nur hier und da gesellen sich ein paar unschuldige Klänge aus der Elektrokiste dazu. Ganz im Gegensatz dazu „One More Day“. Hier kommt  der elektrische Sound wieder stärker zum Vorschein, passt aber auch hier perfekt ins Bild – und vor allem zum Kontrabass von Hans Andersson.

Das Schöne an „Shine“ ist, dass Synthesizer, Sampler, Effektgeräte & Co nie vordergründig zum Einsatz kommen. Nie hat man das Gefühl, dass die Musiker damit etwas kompensieren müssen oder sich hinter den „fremden“ Klängen verstecken.  Vielmehr ist das Album ein spannender, wirklich gelungener Mix, der die vielleicht hier und da schon ein wenig starr gewordenen Genregrenzen des Jazz gekonnt durchbricht – und zwar getreu des Mottos „Nur wer die Form beherrscht, darf mir ihr spielen“. Denn Talent und Spielfreude haben die drei Musiker im Überfluss.

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