Marcin Wasilewski Trio: Spielfreude, neu erfunden!

Marcin Wasilewski Trio: Spielfreude, neu erfunden!

Sehnlichst haben wir das neue Album von Marcin Wasilewski und seinen beiden Bandkollegen erwartet. Besonders gespannt war ich, ob die drei Polen, die den „Polski Jazz“ in den vergangenen Jahren entscheidend prägen konnten, an das musikalische Niveau ihres Albums „Faithful“ aus dem Jahre 2011 anknüpfen können. Vor allem, da alle drei in der Zwischenzeit nicht nur viel unterwegs waren, sondern auch an an weiteren musikalischen Projekten mitgewirkt haben. Zuletzt beim Album „Forever Young“ des Gitarristen Jacob Young.

Doch nun zu „Spark Of Life“. Für den vierten ECM-Longplayer des Trios konnten Wasilewski & Co den schwedischen Saxophonisten Joakim Milder für eine Zusammenarbeit gewinnen – man kannte sich von gemeinsamen Auftritten im Rahmen des „Titania“-Projekts ihres Landsmanns Tomasz Stánko. Gemeinsamer Nenner war die Vorliebe für Kompositionen von Krzysztof Komeda, dessen „Sleep Safe And Warm“ dann auch Eingang in das aktuelle Album gefunden hat. Vier Songs stammen aus der Feder von Marcin Wasilewski selbst, darunter der Titeltrack sowie das gefühlvolle „Austin“, das den Einstieg in die 74 Minuten Jazzgenuss markiert. Treu geblieben ist sich das Trio in der Abwechslung: So findet der zur Ballade mutierte Song „Do Rycerzy, do Szlachty, do Mieszczan“ der polnischen Grunge-Rocker Hey genauso seinen Platz auf dem Album wie eine fulminante, ja fast schon rastlose Version des The Police Hits „Message In A Bottle“ mit einem großartigen Solo von Slawomir Kurkiewicz am Kontrabass, getrieben von Michal Miskiewicz am Schlagzeug. Ausgefeilte Arrangements wie diese entstehen nur, wenn Musiker lange zusammenarbeiten. Und das Marcin Wasilewski Trio besteht schon seit den frühen 1990ern in der aktuellen Konstellation. Tenor-Saxophonist Milder ist mit seiner Komposition „Still“ vertreten. Er gefällt bei diesem und den anderen Arrangements des Albums durch ein formidables Gefühl für sich und sein Instrument, zeichnet gekonnt Melodien auf den Klangteppich der drei Polen und lässt sich von ihrer Spielfreude förmlich mitreißen, ohne sich dabei aber dominieren zu lassen oder selbst zu dominieren. Bestes Beispiel: „Sudovian Dance“, bei dem Piano und Saxophon für die Melodie über weite Strecken eine Symbiose eingehen, jedoch auch viel Raum für eigenständige Interpretationen beider Instrumente bleibt.

Besonders gefällt aber die musikalische Entwicklung des Bandleaders Marcin Wasilewski selbst. Zwischen „Faithful“ und „Spark Of Life“ liegt erkennbar eine Steigerung des schon 2011 sehr hohen Niveaus. Der Pianist versteht es meisterlich, Kompositionen zu dekonstruieren, sie zu analysieren und neu, anders – ja vielleicht sogar ein bisschen besser – wieder zusammenzufügen. Und auch bei den eigenen Kompositionen ist er ständig auf der Suche nach innovativen Ansätzen. Genau das unterscheidet ihn letztlich von vielen Musikern, die sich ausschließlich damit zufrieden geben, das Althergebrachte zu zitieren.

Fazit: Der Stern des „Polski Jazz“ funkelt durch „Spark Of Life“ heller und strahlender denn je. Unglaubliche Spielfreude, eine hör- und fühlbare Gruppendynamik von vier talentierten Musikern sowie eine tolle Auswahl an Songs macht das Album zu einem absoluten Hochgenuss. „Spark Of Life“ erscheint am 10. Oktober bei ECM Records.

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