Manu Katché & Jacob Karlzon 3 auf Tour

Manu Katché & Jacob Karlzon 3 auf Tour

Ein Konzert. Zwei Künstler. Mit Band. In Frankfurt. Modern Jazz at it’s best. Sowohl dem schwedische Pianist Jacob Karlzon als auch Manu Katché aus Frankreich eilt großes Lob voraus. Doch der Große Saal der Alten Oper Frankfurt glänzt am Abend des 21. Oktober 2014 durch viele leere Stuhlreihen. Schade. Noch bevor es losgeht, die erste Ernüchterung: Fotos streng verboten. Auch für Medien.

Deshalb hier auch von Jacob Carlzon kein Bild. Warum die Künstler, die in Sozialen Medien ein Bild nach dem anderen posten ausgerechnet den Medienprofis, die über sie berichten – und zu ihrer Bekanntheit mit beitragen, das Recht auf ein Bild in Abrede stellen – man könnte trefflich darüber diskutieren.

Doch zurück zur Musik. Jacob Karlzon 3 – das sind Hans Andersson am Kontrabass und der aus Istanbul stammende Robert Mehmet Ikiz an den Drums, die für Karlzon die musikalische Begleitung bilden. Leider ist es bis auf wenige Ausnahmen auch nur eine begleitende Funktion, die die beiden Musiker ausüben, denn allzu oft dürfen sie nicht von der Leine. So gut die pulsierenden Flächen aus dem Synthesizer oder die Backbeats aus dem Drumcomputer auch klingen mögen – sie legen den Musikern ein starres Korsett an, aus dem nur Karlzon mit seinen sehr gekonnten Soli und Improvisationen auszubrechen weiß. Doch leider ist auch der Sound des Flügels ein wenig teigig, besonders in den unteren Tonlagen. Insgesamt sieben Songs des jüngsten Albums “Shine” geben die Künstler zum Besten, Zeit für eine Zugabe bleibt nicht. Das Publikum zeigt sich dennoch beeindruckt, manch einer scheint sogar so verzückt, dass die  Songs gleich mit dem Handy mitgeschnitten werden. Bleibt die Frage, ob sich diese Menschen ihre verrauschten und verzerrten Aufnahmen jemals wieder anhören oder ihren Mitmenschen damit auf die Nerven gehen.

Doch ich schweife ab. Nach der Pause ist Zeit für den Hauptact des Abends. Manu Katché kommt zusammen mit dem kongenialen Jim “James” Watson an der Hammond B3 und am Flügel sowie den beiden Blechbläsern Tore Brunborg am Saxophon und Luca Aquino an der Trompete auf die Bühne.

Schon nach den ersten Takten wird klar: Talent haben die vier Männer bis in die Haarspitzen, Motivation und Spaß noch dazu.

So unterschiedlich ihre Instrumente auch sein mögen, so vergleichbar hoch erscheint das Können. Katché ist souveräner Taktgeber und Antreiber gleichermaßen, lässt seinen Mitstreitern viel Raum für Soloeinlagen, fängt aber alle auch wieder ein, um den Songs Rückgrat und Struktur zu geben. Das, was die Performance von Jacob Karlzon 3 etwas blutleer wirken ließ, gibt es hier im Überfluss: Tempowechsel, Dynamik, Pausen, Fill-ins.

Leider – und das ist der einzige Wermutstropfen während des zweiten Konzertteils: Der Sound ist zu laut. Zwei Blechbläser und ein Drummer – da geht schon was in Sachen Dezibel. Hätten die Tontechniker die Regler nur ein klein wenig nach unten gezogen – es wäre perfekt gewesen. Natürlich folgt auch das obligatorische Drumsolo, auf das sich die meisten Zuhörer gefreut haben. Minutenlang fliegen die Drumsticks durch die Luft. Salven auf den Tom-Toms und Wirbel über Ride- und den von Katché so geliebten Splashbecken folgen wechselseitig auf furiose Trommelwirbel. Unter tosendem Applaus beendet Katché, der schon Songs von Jan Garbarek bis Peter Gabriel mit seinem kraftvollen Spiel veredelt hat, die Einlage. Mit “Snapshot” und “Lo” haben sich die Künstler noch zwei Zugaben aufgehoben. Dann ist Schluss. Was bleibt ist die Erinnerung an einen Abend, der zwar durch große Musik überzeugen konnte, jedoch durch Flüchtigkeitsfehler in der Technik in seiner Wirkung etwas verblasste.

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